emotionales Management

Mitarbeiter entlassen: Wie du quälende Gedanken wieder loswirst

Mitarbeiter entlassen: Wie du quälende Gedanken wieder loswirst

Musst du auch Mitarbeiter entlassen, die du eigentlich gern behalten würdest? Denen du nur aus Kostengründen kündigen musst? Und fühlst dich deswegen miserabel? Kämpfst sogar mit schlaflosen Nächten deswegen? 

Das muss man erstmal aushalten können. Einem Menschen, mit dem man über lange Jahre eine Arbeitsbeziehung aufgebaut hat, zu sagen, dass man ihn entlassen muss. Das fällt vielen Unternehmern extrem schwer. Man kann jedoch viel tun, um sich diese unangenehme Aufgabe zu erleichtern. In diesem Artikel beschreibe ich zwei kleine aber hilfreiche Methoden, um die Entscheidungen klarer zu treffen und auch mit quälenden Gefühlen besser zurecht zu kommen.

Wenn der Verantwortungs- und Entscheidungsdruck einen nicht mehr schlafen lässt...

Jede Krise schiebt eine Bugwelle von Entlassungen vor sich her. Auch die aktuelle. Da wird das Thema "Outplacement" - die Begleitung der Mitarbeiter während und nach der Entlassung -  wieder interessant. Doch wer begleitet die Unternehmerinnen und Unternehmer oder die Führungskräfte, die die Entlassungen durchziehen müssen? Wer hilft ihnen, das zu verkraften?

Die IHK nennt aktuelle Zahlen zum Thema Mitarbeiter entlassen

Ca. 60 Prozent der Firmen setzen derzeit auf Kurzarbeit und hoffen, so durch die Corona-Krise zu kommen. Trotzdem haben 22 Prozent aller Firmen Liquiditätsengpässe. 2 Prozent stehen vor einer Insolvenz. Das heißt unterm Strich, dass fast die Hälfte aller Unternehmer und Unternehmerinnen Mitarbeiter entlassen müssen. Das trifft gleichermaßen kleine, mittelständische wie große Unternehmen. Die geben sich alle nichts. 

Auch das Münchner Ifo-Institut hat bereits im April 2020 in einer Umfrage herausgefunden, dass in jedem fünften Unternehmen Entlassungen anstehen.  

Wenn du das auch tun musst, bist du jedenfalls nicht allein mit diesem Thema. 

Diese Branchen sind besonders stark von der Entlassungswelle betroffen:

  • Gastronomie: 58 Prozent
  • Hotelbranche: 50 Prozent
  • Reisebüros- und Veranstalter: 43 Prozent
  • Autoindustrie: 39 Prozent

Puh, das läppert sich.

emotionales Outplacement

Der „Fall“ Clarissa: Wie eine Unternehmerin einfache Tools benutzte, um ihre Entscheidungen so zu treffen, dass sie wieder ruhig schlafen konnte...

Clarissa war die Inhaberin einer Werbetechnik-Firma. Angespannt und traurig erzählte sie mir, sie müsse von ihren 28 Mitarbeitern 8 entlassen. Beinahe alle Veranstaltungen waren abgesagt worden. Ihr waren einfach zu viele Aufträge weggebrochen. 

Damit hatte sie schon mehr als eine schlaflose Nacht verbracht. Sie brachte es nicht übers Herz, „ihre“ Leute zu entlassen. Sie wollte sie nicht enttäuschen. Doch es blieb ihr keine andere Wahl. Sie würde sonst das gesamte Unternehmen in existenzielle Gefahr bringen. Allerdings konnte sie sich nicht entscheiden. Wen genau sollte sie entlassen? Je länger sie wartete, umso brenzliger wurde die Situation, denn sie musste Kündigungsfristen einhalten. Die emotionale Belastung wuchs von Tag zu Tag. 

Kündigung

„Das Schlimmste ist das schlechte Gewissen“, meinte Clarissa zu mir. Es grauste ihr vor dem Moment, in dem sie die Worte aussprechen musste: "Ich muss dir leider kündigen". Allein der Gedanke daran verursachte ihr ein absolut mulmiges Gefühl in der Magengegend. 

Was Outplacement für Mitarbeiter ist, ist emotionales Coaching für Unternehmer

Viele Unternehmer sehen es - wie auch Clarissa - als Schwäche an, wenn sie sich so schwertun mit Kündigungen.

Solche Selbsturteile helfen aber nicht weiter. Im Gegenteil. Sie verschlimmern die unangenehmen Gefühle noch. Dann kreiselt auch noch eine Portion Selbstabwertung mit den anderen Gefühlen zusammen im Gedankenkarussell.

Gefühle, die du versuchst, loszuwerden, werden oft sogar noch stärker. Und erzeugen dabei immer mehr Stress. Probier mal, 5 Minuten lang einfach zu fühlen, was alles in dir  ist. Welche Gefühle kannst du spüren? Lass dir dafür ein paar Minuten Zeit. Schreib alles auf, was in deinem Bewusstsein auftaucht. 

Wie geht's dir danach?

Was tun, wenn du dich mit deinen Mitarbeitern so stark verbunden fühlst, dass du sie nicht entlassen kannst...

Im Laufe der Jahre waren in Clarissas Unternehmen viele tragfähige Beziehungen entstanden. Der Mitarbeiter, der als letzter dazugekommen war, arbeitete nun auch schon 3 Jahre bei ihr. Andere waren bereits seit fast 30 Jahren da. Clarissa fühlte zu den meisten eine tiefe Verbundenheit und auch Dankbarkeit. Das konnte sie nicht so ohne Weiteres abschneiden.

Auch ihrem Vater gegenüber schämte sie sich ein bisschen. Sie hatte den Betrieb vor 5 Jahren von ihrem Vater übernommen. Und nun fühlte sie sich nicht mehr in der Lage, sein Lebenswerk „richtig“ fortzuführen. Ihm mochte sie von den geplanten Entlassungen gar nichts erzählen. 

Fühlst du dich mit dem Rücken an der Wand? Auf der einen Seite die schlechten Zahlen – auf der anderen die Menschen, die dir ans Herz gewachsen sind? Dann probier mal folgendes: Stell dir vor, du schaust dir selber dabei zu, wie es dir gerade geht. Beobachte dich dabei, wie du dich fühlst. Und zwar in aller Ruhe aus der Ferne.

Was verändert sich?

Mitarbeiter entlassen

Wie kannst du vorgehen, wenn die Entlassung von einigen Mitarbeitern unumgänglich ist

Um menschlich und ethisch gut entscheiden zu können, brauchst du die richtigen Tools. 

Eine Möglichkeit ist die systemische Symbolarbeit. Da arbeitest du mit Zetteln. Sie helfen dir, deine Gefühle und die der Mitarbeiter deutlicher wahrzunehmen. Du kannst deine Situation damit ausbreiten und von verschiedenen Seiten anschauen. Das schafft Raum in dir. Dabei kannst du das Gefühlschaos in dir leichter ordnen. Du schaust Schritt für Schritt deine Gesamtsituation an.   

Auch Clarissa schrieb den Namen jeden Mitarbeiters, der für eine Entlassung in Frage kam, auf einen kleinen Zettel. Anschließend nahm sie jeden Zettel einzeln in die Hand und ließ sich einen Moment Zeit, zu FÜHLEN, wie es ihr mit diesem Mitarbeiter ging. Bei wem war der Schmerz einer Trennung am größten? Welcher Zettel "fühlte sich weiter stabil an", auch, wenn eine Entlassung notwendig war. 

Bei drei Zetteln spürte Clarissa nicht genug. Ihre Verbindung zu diesen Mitarbeitern war nicht so stark. Deshalb machte ich ihr folgenden Vorschlag. Sie sollte nun AUS SICHT DES UNTERNEHMENS auf diese Angestellten schauen:

  • Wer würde dem Unternehmen am besten dienen?
  • Wer würde sich am stärksten identifizieren?
  • Wer würde am engagiertesten arbeiten?
  • Wer zeigte die größte Loyalität?

In dem Moment konnte Clarissa Unterschiede spüren. Mit diesen Unterschieden konnte sie viel klarer und sicherer entscheiden, wen sie entlassen und wen sie behalten sollte. Das brachte mehr Ruhe in ihre Gedankenkreisel.

Wenn du das Gewicht der Verantwortung auf dir lasten spürst...

...dann brauchst du Werkzeuge, die dir helfen, Kopf und Bauchgefühl zusammenzuschalten. Sobald sie zusammenspielen, entsteht in dir Klarheit - auch über deinen Emotionen. Und die sind verantwortlich dafür, ob du Entscheidungen am Ende gut umsetzen kannst oder ob du dich blockierst. 

Clarissa wollte niemanden vor den Kopf stoßen. Sie hatte das Gefühl, für alle ihre Mitarbeiter verantwortlich zu sein. Das Gefühl wog Tonnen auf ihrer Schulter. Dieses enorme Verantwortungsgefühl kannte sie bereits seit ihrer Kindheit. Das konnte sie nicht einfach abstellen. Deshalb lenkte ich Clarissas Blick auf die Mitarbeiter, die sie durch diesen Schritt "retten" würde. In dem Moment konnte sie spüren, dass sie gerade aus ihrem Verantwortungsgefühl heraus zum Wohl des Ganzen entscheiden musste. Sie wurde gerade dadurch ihrem hohen Anspruch an sich selbst gerecht. Und das half ihr am Ende, sicher hinter ihren einzelnen Entscheidungen zu stehen.

Oft genügen kleine Veränderungen des Blickwinkels, damit du dich anders FÜHLST.

Klarheit entsteht durch klare Wahrnehmung!

Und zwar genau dann, wenn du deine Gefühle wahrnimmst.

Nur das, was du unterdrückst, schwelt im Untergrund. Dort entfaltet es manchmal eine verheerende Wirkung. „Ungefühlte“ Gefühle haben die Tendenz, sich bei Dingen zu entladen, die mit dem ursprünglichen Gefühl eigentlich gar nichts zu tun haben. Dann schreist du z. B. plötzlich jemanden aus nichtigem Anlass an. Das macht dich unberechenbar und versetzt die Menschen in deiner Umgebung in Anspannung. Klarheit ist immer etwas sehr Wohltuendes für alle Beteiligten.

Gedankenkreisel kannst du bewusst stoppen

Entscheidungen über andere Menschen darfst du nie leichtfertig treffen. Wenn du das tust, kann es sein, dass du hinterher noch lange dran kaust.

Wenn du aber hilfreiche Methoden nutzt und dein Möglichstes tust, um die beste Lösung zu finden, dann wirst du bald wieder innerlich ruhig und zufrieden sein können. 

Am besten funktioniert das mit der inneren Ruhe, wenn du deine Gefühle in allen Facetten akzeptierst. Auch unangenehme Gefühle gehören zum Leben dazu. Solange du dich nicht dagegen wehrst, laufen sie einfach durch dich durch. Und machen rasch wieder Platz für fröhlichere Gefühle. Widerstand aber erzeugt so was wie emotionale Widerhaken. Unangenehmes bleibt dann länger hängen. Du leidest viel länger an etwas, wenn du anhaftest. Wenn du mulmige Gefühle auflösen willst, bekommst du hier noch eine detailliertere Anleitung.

Wenn du dich auch mit solchen Entscheidungen herumquälst, dann melde dich einfach bei mir. Ich unterstütze dich gern, damit’s leichter wird für dich.

Ruf mich an: 0931 - 2 90 71

oder buche dir hier einen Termin für ein kostenfreies Blitzcoaching!

Posted by Hanne Demel in Emotionales Management für Unternehmer, 0 comments
Nähe und Distanz im Business

Nähe und Distanz im Business

Das Thema Nähe und Distanz im Business war auch das Thema unseres Ethikstammtisches im April 2020.

Mitten in der Corona-Krise, so viele Leute sind zu Hause. Entweder im Home-Office oder gleich in Kurzarbeit. Da hat das Thema Nähe und Distanz im Business doch gleich eine völlig neue Bedeutung.

Wir diskutieren – natürlich online – über die Nähe in den verschiedenen Branchen. Doch Nähe ist nicht gleich Nähe. Ein Teilnehmer versteht unter Nähe einen sanften Umgang miteinander. Und nennt auch gleich eine Erklärung, warum diese Art von Nähe nicht funktioniert – zumindest nicht in seinem Unternehmen. „In der Baubranche braucht man klare Ansagen. Kurz, knackig, auf den Punkt“, sagt er. Da geht nix mit „drüber reden“ und „gewaltfreier Kommunikation“. Viele Mitarbeiter wollen geführt werden, und zwar klar und eindeutig.

Ist das jetzt Nähe oder Distanz, frage ich mich.

In Zeiten wie diesen ist eines klar: die Leute brauchen Sicherheit. Emotionen wie Angst und Verunsicherung, wie es weitergehen wird, bringen die Leute an ihre Grenzen. Und jeder, der verunsichert ist, ist froh über einen anderen Menschen, der ihm Sicherheit geben kann. Zum Beispiel, indem er eine klare Ansage macht. Und das ist nicht nur in der Baubranche so, denke ich.

Ist Distanz zugleich Nähe auf einer anderen Ebene?

Nähe entsteht durch Empathie und Mitgefühl. Und die kann sich auch in distanziertem Verhalten zeigen.

Wenn du als Unternehmer selber verunsichert bist oder dir zum Heulen zumute ist – mal krass gesprochen – dann bringt es in der Regel wenig, wenn du das deinen Mitarbeitern so ungeschminkt offenbarst. Denn damit nimmst du auch deiner Belegschaft den Halt und der Stress greift ungebremst um sich. Keinem ist dabei geholfen.

Ich weiß sehr gut, dass es sehr schwer ist, die eigene Befindlichkeit und die eigenen Vorlieben und Wünsche zurückzunehmen zum Wohl anderer. Doch damit beweist du innere Stärke und strahlst Sicherheit aus. Distanz schafft also auch Sicherheit. Und Sicherheit erzeugt wiederum Nähe. Also wieder nix Eindeutiges…

Als Führungskraft bist du allein!

Viele Unternehmer sagen mir immer wieder, dass sie die Mitarbeiter nicht wirklich an sich heranlassen. Je näher dir jemand ist, umso schwieriger kann es werden, deine Rolle als Führungskraft auszuüben. Stell dir vor, du fühlst dich emotional sehr stark mit jemandem verbunden und musst gleichzeitig zum Beispiel die Entscheidung treffen, ihn zu entlassen. Da sind schlaflose Nächte vorprogrammiert.

Nähe und Distanz ist also – so auch die Meinung der Teilnehmer am Ethikstammtisch – ein fortwährender Prozess. Keine statische Angelegenheit. Und auch keine, die man einmal für alle Zeiten entscheiden kann. Es braucht viel Fingerspitzengefühl für die einzelnen Menschen, die unterschiedlich gut mit Nähe und Distanz umgehen können. Der eine braucht mehr, der andere weniger.

Eine Teilnehmerin beschreibt das Prinzip der offenen Tür als ein hilfreiches Mittel. Auch wenn der folgende Vergleich eines anderen Teilnehmers etwas krass daherkommt, gibt er doch ein sehr gutes Bild zu diesem Prinzip: „Der Hund muss zu dir kommen, nicht du zum Hund. Nur dann erkennt er dich als Führungspersönlichkeit an und du kannst ihm Sicherheit geben.“

Na guuut, denke ich. Das Bild stimmt, aber verallgemeinern würde ich das nicht unbedingt. Es gibt sicher genug Situationen, in denen es eine gute Wirkung hat, wenn du als Unternehmer aktiv auf deine Mitarbeiter zugehst. Das zeigt auch wieder Interesse und Wertschätzung. Also du siehst, auch hier braucht es Fingerspitzengefühl.

Und dann kommt eine Aussage, die ich sehr spannend finde:

Zur Situation braucht es Distanz, zu sich selber und der eigenen Befindlichkeit Nähe!

Diese Mischung bringt Erfolg. Als Unternehmer weißt du genau, wie sich das anfühlt. Stimmt’s? Wenn du mit deinen eigenen Gefühlen und Befindlichkeiten im Kontakt bist, dann projizierst du sie nicht so leicht nach draußen. Das hilft dir, klarer zu handeln. Und klares Handeln wiederum erzeugt sehr viel Nähe, weil du andere Menschen besser verstehst. Wenn du verstehst, weshalb deine Mitarbeiter gerade so und nicht anders handeln, weißt du genau, wo du anpacken und wie du sie ansprechen musst. Und das – genau! – bringt wiederum Nähe. Auf eine gute Art. Zwischen Unternehmer und Mitarbeitern.

Danke für die wunderbare Diskussion um dieses sehr komplexe Thema.

Posted by Hanne Demel in Führung, 0 comments
Wie löst du Konflikte in der Unternehmensnachfolge

Wie löst du Konflikte in der Unternehmensnachfolge

Unternehmensnachfolge ist nicht einfach: Wenn du innerlich nicht klar bist, kriegst du die Kuh nicht vom Eis

Eine Kundin war im Begriff, das Familienunternehmen endlich komplett zu übernehmen. Sie hatte bereits seit einigen Jahren in dem Betrieb mitgearbeitet. Nun wollte der Vater es ihr ganz überschreiben. Doch die Unternehmensnachfolge gestaltete sich schwieriger als erwartet.

 

Wieder lautes Schimpfen quer über den Hof. „Herrje, die haben sich schon wieder in der Wolle“, denken die Mitarbeiter, ziehen die Köpfe ein und arbeiten bedrückt weiter.

Seitdem der Übergabeprozess begonnen hatte, war nichts mehr harmonisch. Der Altchef, Herr Kuhn war bereits weit übers Renteneintrittsalter hinaus und wollte sich endlich zur Ruhe setzen. Das sollte bei drei Kindern eigentlich auch kein Problem sein, hatte er immer gedacht.

Seine älteste Tochter, Frau Wolz, arbeitete bereits seit sieben Jahren in der Firma. Sein jüngerer Sohn war ebenfalls seit zwei Jahren mit an Bord. Die jüngste Tochter studierte Medizin und hatte kein Interesse am Familienunternehmen. Frau Wolz hatte sich seit Jahren schon innerlich darauf vorbereitet, eines Tages den Familienbetrieb mit 160 Mitarbeitern zu übernehmen.

 

Die rechtliche Seite der Unternehmensnachfolge ist nur ein Bruchteil der Übernahme

Die Gespräche mit dem Rechtsanwalt und Steuerberater hakten immer wieder. Termine wurden nicht eingehalten und Vater und Tochter konnten sich über einige Punkte nicht einigen. Es war ein unsägliches Hin und Her. Die rechtlichen Dinge waren aufgrund der familiären Spannungen, die aus unerfindlichen Gründen während des Nachfolgeprozesses aufgetaucht waren, noch immer nicht ganz unter Dach und Fach. Damit hatte Frau Wolz nicht gerechnet.

Der Vater kam seit den Übernahmeverhandlungen sogar häufiger als früher ins Büro, um „nach dem Rechten zu sehen“. Und er ging auch so schnell nicht wieder, obwohl er sich eigentlich „nicht mehr einmischen wollte“. Im Gegenteil, er machte sogar die Mitarbeiter kirre.

Frau Wolz hatte Mühe, ihre Rolle als neue Chefin einzunehmen, denn der Vater widersprach ihr immer wieder, und die Mitarbeiter waren es noch gewohnt, auf ihn zu hören. Und auch der Bruder wollte sich von der Schwester „nichts vorschreiben lassen“ und reagierte zunehmend empfindlich auf Anweisungen, die sie als Chefin gab.

Das kostete alle Beteiligten enorm viel Energie und spaltete sogar allmählich die Belegschaft, die nicht mehr wusste, an wem sie sich orientieren sollte.

In ihrer Verzweiflung rief die Tochter mich an.

 

Rollenkonflikte gehören dazu

Bei einer Unternehmensübernahme im Familienbetrieb geraten immer verschiedene Rollen und Rangfolgen miteinander in Konflikt. Diese bringen Verwirrung im Geist und sind emotional sehr anstrengend.

Die Eltern stehen in der Rangfolge über den Kindern.

Genauso wie frühere Firmenchefs oder Firmengründer rangmäßig über den Nachfolgern stehen.

Der aktuelle Firmenchef steht in der Rangfolge über den fest angestellten sowie über den freien Mitarbeitern. Aber nicht gegenüber dem früheren Firmenchef, obgleich er ihm gegenüber seit der offiziellen Unternehmensnachfolge weisungsbefugt ist. Vorausgesetzt, der frühere Firmenchef hat sich komplett daraus zurückgezogen. Wenn nicht, ist die Situation besonders schwierig.

Dabei entstehen oft Widersprüche innerhalb einer Person, die sich nur durch bewusste Würdigung auflösen und lebbar machen lassen. Wenn die unterschiedlichen Rollen nicht beachtet werden, kann das eine Unternehmensnachfolge sogar zum Scheitern bringen.

 

Unternehmensnachfolge erfordert emotionale Klarheit

Es standen so viele Fettnäpfchen rechts und links am Weg, von deren Existenz Frau Wolz bislang nichts geahnt hatte. Sie hätte beinahe die Lust verloren, den Betrieb weiterzuführen.

Sie fühlte sich von ihrem Vater kontrolliert und gegängelt. Doch bisher hatte sie es nicht übers Herz gebracht, dem eigenen Vater zu sagen, dass er nicht mehr täglich in die Firma kommen sollte. Sie wusste, dass er noch nicht wirklich loslassen konnte, denn er wollte noch nicht zum alten Eisen gehören. Das spürte Frau Wolz genau.

Auch dem kleinen Bruder gegenüber, den Frau Wolz ihr Leben lang beschützt und verteidigt hatte, konnte sie nicht wirklich als Chefin gegenübertreten, denn als Schwester kannte sie nur das innere Programm, ihn beschützen zu müssen. Sie hätte die Rolle der Schwester im Unternehmen bewusst ablegen müssen, um in die Rolle der Chefin zu schlüpfen.

 

Die Sicht der Tochter

Ich arbeitete zuerst mit der Tochter, Frau Wolz. Es zeigte sich, dass sie extrem genervt war vom Vater, der täglich durch die Firma spazierte und ihre Autorität als Chefin torpedierte. Trotzdem konnte sie ihm das nicht verwehren, da er auch ihr Vater war. Sie fühlte sich wie in einer Zwangsjacke und wusste nicht, wie sie da aussteigen konnte.

 

Die Sicht des Vaters

Dem Vater war nicht bewusst, wie schwer er es seiner Tochter machte, in ihre neue Rolle als Chefin hineinzufinden. Er hatte Angst loszulassen und die Verantwortung abzugeben. Obwohl er sich das gleichzeitig auch sehr wünschte. Unterschwellig fürchtete er aber, nicht mehr gebraucht zu werden, was ihn enorm verunsicherte und in ein tiefes emotionales Loch zu stürzen drohte. Er wollte seiner Tochter das Feld räumen, doch es gelang ihm nicht, denn es herrschte ein enormes Gefühlschaos in ihm. Er hatte sein ganzes Leben in dieses Unternehmen gesteckt.

 

Die Sicht der Mitarbeiter

Die Mitarbeiter waren hin und her gerissen und wussten nicht mehr, wem sie folgen sollten. Sie spürten die Aggressionen, die im Untergrund schwelten. Die Stimmung war gereizt und sie durften sich wenig Fehler erlauben, wollten sie nicht eine Explosion verursachen. Außerdem verunsicherte sie enorm, dass sie nun von zwei Leuten Anweisungen bekamen, die sich teilweise wiedersprachen. Allmählich machte sich eine ziemlich gereizte Stimmung breit.

 

Die Sicht auf das Gesamtsystem

Sobald man hinter die vordergründigen Aktionen schaut, zeigt sich ein konfliktreiches Rollenkonglomerat.

Der Vater war kurz nach dem Krieg geboren worden und hatte noch enorm viel Leid miterlebt. Und da er wiederum seinen Vater, den Großvater von Frau Wolz, im Krieg verloren hatte, war ein Teil seines Herzens in der Trauer um ihn hängengeblieben. Er trug ein unbestimmtes Gefühl in sich, nicht unbeschwert leben zu können. Aus diesem Grund hatte er seine gesamte Zeit und Energie in den Aufbau dieser Firma gesteckt. Er hatte seine persönlichen Wünsche zurückgestellt und sich für die Firma und für das Auskommen seiner Familie aufgeopfert. Doch ohne diese Firma war nun sein Halt und Lebenssinn weg, was zur Folge hatte, dass der alte unbestimmte Schmerz mit voller Wucht wieder hochkam. Obgleich ihm die Ursache dieses Schmerzes nicht bewusst war, stürzte er Herrn Kuhn in existenzielle Fragen, die ihn an den Rand einer Depression brachten: Wozu war er hier? Wozu war er noch nütze?

Die Tochter hatte immer gespürt, dass der Vater etwas Schweres, Belastendes mit sich trug. Aus diesem Grund hatte sie sich ihr Leben lang um den Vater gekümmert. Das war ihr gar nicht bewusst, und doch tat sie es. Und als Erstgeborene kümmerte sie sich auch um die jüngeren Geschwister, für die sie immer Verantwortung mit übernommen hatte. Und es war nur logisch, dass sie sich auch um das Unternehmen kümmerte.

 

Eine Unternehmensnachfolge spricht immer tiefste Strukturen an

Die innere Stabilität, die sich über viele Jahre in einem System herausgebildet hat, wird in einem Unternehmensnachfolge Prozess immer komplett umgehauen und – im besten Falle – neu definiert und geordnet. Doch das geht meistens nicht ohne Hilfe von außen. Ein neutraler Blick mit innerer Distanz bringt die tiefen Dynamiken eines solchen Prozesses ans Licht. Ganz besonders ist das so in Familienbetrieben, wo besonders viele unterschiedliche Rollen gleichzeitig berührt werden und in Bewegung kommen. Jeder Rollenwechsel – zum Beispiel von der Tochter und Angestellten zur Chefin – betrifft immer die ganze Familie.

Wie kann sich die Tochter als Chefin fühlen, wenn sie zugleich die Tochter des früheren Chefs ist? Oder wenn sie den Vater unterstützen will, damit er innerlich stabil bleibt? Wie kann sie ihn nach Hause schicken, weil er die Übernahme stört, wenn sie gleichzeitig seine innere Not fühlt und ihn halten will?

Ähnliche Konflikte können aber auch entstehen, wenn ein „Fremder“ ein Unternehmen übernimmt. Auch dann werden tiefe Strukturen angesprochen, sie sind jedoch meistens nicht so komplex wie in einer Unternehmerfamilie. Doch in einer außerfamiliären Unternehmensnachfolge ist die gegenseitige Akzeptanz von „schrulligen“ Verhaltensweisen dafür meist viel niederschwelliger.

 

Die Liebe im Familiensystem braucht Ausdruck

Es ging nach den rechtlichen Dingen in der Firma nun vor allem darum, auch das familiäre Miteinander neu zu gestalten und zu entspannen. Es kam darauf an, inneren Frieden bei den Beteiligten zu schaffen. Zunächst war es wichtig, die verschiedenen Rollen bewusst zu besprechen. Jeder Beteiligte brauchte in jeder seiner Rollen Achtung und Zustimmung, damit er sie auch gut ausfüllen konnte.

 

Die Lösung ist am Ende immer einfach

Es hilft, Bewusstsein zu schaffen, anzuerkennen, was ist, und es zu würdigen. Jeder für sich, in jeder Rolle. Erst die Klarheit über die eigenen Facetten und die verschiedenen Rollen sowie deren innere Zusammenhänge bringen klare Lösungen ans Licht. Diese Lösungen sind fühlbar. Sie fühlen sich leicht und entspannt an. Und wenn innerlich Frieden eingekehrt ist, dann flutscht auch die Unternehmensnachfolge. Innerhalb der nächsten Wochen war diese dann auch in trockenen Tüchern.

Frau Wolz konnte schließlich zu ihrem Vater schließlich sagen: „Du bist mein Vater, und ich achte dich als meinen Vater, genauso wie ich dich als Firmengründer achte. Und aus Dankbarkeit dir gegenüber wende ich mich nun meinen neuen Aufgaben zu und führe die Firma dir zu Ehren in alleiniger Verantwortung weiter, so gut ich es kann.“

Und zum Bruder sagte sie: „Du bist mein kleiner Bruder, und ich werde immer deine große Schwester sein. Nur als Chefin gebe ich dir notwendige Anweisungen. Und das ändert nicht das Geringste an meiner Liebe zu dir als Schwester. “

Der Vater konnte durch die Berührung mit dem frühen Verlust seine Trauer erkennen und in Frieden kommen. Er fand – obgleich er in fortgeschrittenem Alter war – noch eine innere Stabilität, die er so bisher nie erfahren hatte. Das machte es ihm leichter, loszulassen.

 

Weitere Begleitung ist wichtig

In der Folgezeit begleitete ich den Prozess der Unternehmensnachfolge weiter, um die neuen Rollen von Vater und Tochter zu stabilisieren. Außerdem wurde im nächsten Schritt wichtig, auch die Mitarbeiter in den Blick zu nehmen. Eine Unternehmensnachfolge bringt auch Unruhe und Verunsicherung in die Belegschaft. Wenn diese Emotionen nicht aufgedeckt und beantwortet werden, können sie eine gefährliche Eigendynamik entwickeln.

 

Auch die Mitarbeiter sind Teil des Systems

Eine psychische Gefährdungsbeurteilung brachte die Verunsicherung und Überforderung, die während der Unternehmensnachfolge entstanden war, ans Licht. Wir konnten dann Maßnahmen formulieren und einsetzen, um Sicherheit und Stabilität zurückzubringen und den Stress des Nachfolgeprozesses zu reduzieren. Dazu etablierten wir unter anderem ein längerfristiges Gesprächsangebot in Form von Stundenkontingenten für die Mitarbeiter. Dadurch konnten wieder Sicherheit entstehen, wo die Unsicherheit Stress ausgelöst hatte. Das alte neue Unternehmen stabilisierte sich zusehends und nahm gute Fahrt auf. Neue Strukturen und Gewohnheiten festigten sich und brachten Zufriedenheit und Erfolg mit sich.

Solche Unternehmensnachfolgen sind immer vielschichtige und langwierige Prozesse. Das geht nicht in ein paar Tagen. Es braucht manchmal Jahre, bis die inneren Strukturen geklärt sind und das ganze System bereit ist für die Unternehmensnachfolge. In der Regel ist den Beteiligten gar nicht bewusst, welche inneren Positionen und Gefühle beteiligt sind. Deshalb ist es hilfreich, frühzeitig einen Berater einzubeziehen, der sich im emotionalen Management auskennt und auch auf tiefen Strukturen arbeiten kann.

Wenn du jemanden suchst, ruf mich an. Ich begleite auch dich sehr gern, wenn du dein Unternehmen in neue Hände geben oder eines übernehmen willst.

Tel.: 0931 – 2 90 71

 

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Unternehmensnachfolge, 0 comments
Warum deine Seelenruhe auch dein Unternehmen schützt

Warum deine Seelenruhe auch dein Unternehmen schützt

Warum kann Seelenruhe ein so ungeheurer Schutzfaktor sein – sowohl für andere als auch für dich selber? Was denkst du? Seelenruhe entsteht nur dann, wenn du in die Beobachterrolle gehen kannst. Wenn du dich nicht reinziehen lässt sondern innerlich Distanz bewahrst. Distanz ist der Nährboden für gelassenes Handeln und Fühlen.

Was passiert, wenn du KEINE Seelenruhe hast:

 

1. Dir fehlt die innere Distanz

Ohne Seelenruhe nimmst du das, was dein Gegenüber sagt, meistens sehr persönlich. Du hast keine innere Distanz. Du fühlst dich in deiner Persönlichkeit verletzt und produzierst entsprechende Gefühle. Versteh mich bitte nicht falsch: es ist wichtig, dem anderen zu sagen, wenn er Bockmist redet und sich verletzend verhält. Aber sich über längere Zeit verletzt zu FÜHLEN ist eigentlich nicht unbedingt notwendig dafür.

Sobald du dich verletzt FÜHLST, brauchst du mehr inneren Abstand. Denn dann fällt es dir leichter gelassen und ruhig zu bleiben. Deine Selbstschutzmechanismen springen dann nicht automatisch an und du kannst bewusst entscheiden, wie du reagieren willst.

 

2. Ohne Seelenruhe reagierst du ungesund

Stell dir mal vor, ein Mitarbeiter haut dir irgendwas vor den Latz, weil er gerade gereizt und schlecht gelaunt ist. Du bist augenblicklich stinksauer. Dein Blutdruck schießt nach oben und du fühlst dich beleidigt. Das verhärtet deine Gesichtsmuskeln, was auf Dauer dein Empfinden von Freude beeinträchtigt. Oder du versuchst deinen Ärger runterzuschlucken und kriegst davon ein Magengeschwür. Klingt alles nicht erstrebenswert. Mit solchen Reaktionen schränkst du außerdem deine Möglichkeiten zur Deeskalation massiv ein. Und dahin ist sie, deine Seelenruhe.

 

3. Ohne Seelenruhe verstärkst du Konflikte

Wenn ein Konflikt auftritt, reagierst du instinktiv. Emotionale Reflexe zerstören deine Seelenruhe. Frühere negative Erfahrungen werden angetriggert und du reagierst entsprechend alter Überlebensmuster. Doch die sind im aktuellen Fall in der Regel nicht die besten.

So setzt deine spontane Reaktion vielleicht eine negative Spirale in Gang, die du so schnell nicht wieder stoppen kannst. Das Fatale an solchen Negativspiralen ist, dass sie Konflikte immer weiter verstärken. Das kann bis zu einem Punkt gehen, von dem aus du nicht mehr zurück kannst. Daran sind schon Beziehungen zerbrochen, die nicht hätten zerbrechen müssen. Und Konflikte in Betrieben entstanden, die – hätten die Beteiligten mit Seelenruhe gehandelt und die Spirale früher unterbrochen – niemals so zerstörerisch geworden wären.

Wenn persönlicher Stolz verletzt wird, ist es für manche Menschen unmöglich, auch nur einen Schritt zurückzurudern. Sie produzieren lieber noch mehr Scherben als „zu verlieren“. Damit schneiden sie sich quasi noch tiefer ins eigene Fleisch anstatt zu deeskalieren. Das ist leider das Gegenteil von Seelenruhe.

 

4. Ohne Seelenruhe erzeugst du negative Folgen für dein Unternehmen

Wenn du ohne Seelenruhe nervös agierst, erzeugst du auch in deinem Unternehmen Stress. Denn deine innere Haltung steckt die Mitarbeiter an. Hektik und Stress ziehen mit der Zeit innere Kündigung, Rückzug, Dienst nach Vorschrift, Krankheitsausfälle und reale Kündigungen nach sich. Wenn Mitarbeiter Konflikte mit dir haben, reagieren sie indirekt. Kaum jemand redet Tacheles mit dir und sagt dir, was er von deinem Verhalten oder von deiner Ausstrahlung hält. Das geht nicht, weil du der Ranghöhere bist und sie dir nicht auf Augenhöhe antworten können. Du bist der Chef. Also halten sie sich zurück mit dem Ergebnis, dass die Konflikte aus sämtlichen anderen Löchern pfeifen und deine Wertschöpfung massiv beeinträchtigen.

 

Fazit: ungebremste instinkthafte emotionale Reaktionen ohne Seelenruhe stören und mindern deine Wertschöpfung.

 

Was passiert im Geist von jemandem, der sich negativ verhält und wenig Seelenruhe hat

Der eigene Geist ist immer wach und präsent. Er speichert alles, was er wahrnimmt, egal wer etwas tut. Er ist wie weicher Ton, der alles, was ihn berührt, spiegelt.

Wenn man sich negativ verhält, dann speichert der Geist diesen negativen Ausdruck. Er sammelt somit weitere Negativität an und erzeugt mit der Zeit ein gewaltiges negatives Bild in sich selber, das sich immer weiter reproduziert.

Das, was im Geist gespeichert ist, spiegelt sich im Leben wider. In den Erwartungen, in der Haltung und im ganzen Erleben. Negativität reproduziert sich damit selbst erneut.

Mit anderen Worten: Du baust dir selbst die Brille, durch die du deine Welt wahrnimmst. Ist in dir viel Negativität und wenig Seelenruhe, dann nimmst du die Welt auch als bedrohlich, kalt und unsicher wahr. Sorgst du für deine Seelenruhe, dann erlebst du innere Stabilität und Freude.

 

Ein Beispiel dazu:

Wenn du immer wieder wütend bist, wirst du fortwährend auf Wut treffen oder sie selbst in dir erzeugen, denn dein Geist hat viele Wuteindrücke gespeichert. Das wird zur Gewohnheit. Du wirst dann tausend Gründe finden, warum du wütend wirst. Die müssen nicht unbedingt der „Wahrheit“ entsprechen, doch du glaubst daran. Und Du erwartest den gleichen Geist bei anderen. Du denkst – ohne darüber zu reflektieren – dass andere auch wütend sind, dich angreifen wollen etc. Du hast dann sehr schnell das Gefühl, dich verteidigen und rechtfertigen zu müssen, obwohl du das vielleicht gar nicht musst. Du erlebst die Welt als Kampf.

 

Ein anderes Beispiel:

Wenn du immer wieder sehr ehrgeizig und streng mit dir und/oder mit anderen umgehst, dann speicherst du in deinem Geist Strenge, Vergleich und Urteil. Du wirst dich selbst also auch immer wieder vergleichen und beurteilen oder zumindest beurteilt fühlen. Denn das entspricht deinen inneren Mustern. Du verstärkst mit der Zeit diese Urteile, indem du sie immer wieder wiederholst. Damit erzeugst du sehr viel Druck in dir und du erlebst die Welt eng und bedrohlich.

 

Warum Seelenruhe zu entwickeln gar nicht so schwer ist

Das ist die Basis: Alles, was du tust, erzeugt eine Resonanz in der Welt und wird wieder zur Ursache von etwas anderem, das du erlebst. Wenn du negative Ursachen setzt, wirst du negative Resultate bekommen. Früher oder später. Wenn du jemanden beobachtest, der sich negativ verhält, könntest du dich im Grunde zurücklehnen und abwarten. Du brauchst womöglich einen längeren Atem, doch keinen Holzhammer. Die Suppe, die derjenige sich da gerade braut, wird er sowieso irgendwann wieder auslöffeln müssen. Früher oder später. So wie jeder andere auch. Also lass dir nicht deine Seelenruhe nehmen.

Wenn du aus diesem Blickwinkel auf andere schaust, kannst du beobachten, wie sich jemand sein eigenes künftiges Leiden erschafft. Je ätzender sich jemand verhält, umso mehr wird ihn die Resonanz treffen. Früher oder später. Und umso größer könnte daher deine Seelenruhe sein, da du weißt, was er sich gerade selbst antut. Und mit dieser Seelenruhe kannst du ihn vielleicht sogar in seinem negativen Tun stoppen. Meistens ist das wirkungsvoller, als wenn du das wütend versuchst.

 

Was passiert, wenn du Seelenruhe kultivierst

In dem Moment, in dem du mit innerer Ruhe an jemanden denkst, haftest du nicht an deinen eigenen Gefühlen. Du bist Beobachter. Du selbst bist offen und leer. Das verstärkt die Seelenruhe in dir.

 

1. Seelenruhe lässt das eigene „Ego“ schmelzen.

Wenn deine Gedanken an dir selber kleben bleiben, kreist du auch um das, was dich zum Beispiel verletzt hat. Wenn du deine Aufmerksamkeit auf jemand anderen richtest, wirst du innerlich frei. Deine eigenen Gefühle treten in den Hintergrund.

Je mehr negative Worte jemand raushaut, umso größer kann deine Seelenruhe sein. Nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip wird dieser Mensch durch seine eigene Negativität leiden. Du musst nichts dazutun. Mit diesem Gedanken kannst du die notwendige innere Distanz  aufzubauen und halten, die für deine Seelenruhe notwendig ist.

 

2. Seelenruhe macht emotionales Management möglich

Durch innere Distanz zum Geschehen kannst du jederzeit ÜBERLEGEN, wie du am besten reagieren solltest. Was wäre am hilfreichsten? Womit würdest du dein Gegenüber am besten stoppen? Wie könntest du ihm klarmachen, dass das, was er gerade tut, nicht gut ist?

Diese Überlegungen finden in einer anderen Hirnregion statt als die reflexhaften Reaktionen. Sie kommen aus deinem bewussten Denken. Instinkthafte Reaktionen treten in den Hintergrund. In dem Moment kannst du dich der Situation anpassen. Du kannst entscheiden, welche Reaktion angemessen ist. Nichts passiert automatisch. Du wählst mit Bedacht. Das ist Seelenruhe.

Ein Beispiel:

Ein Mitarbeiter haut dir pampig etwas um die Ohren. Statt dich aufzuregen, hältst du innerlich Abstand und behältst deine Seelenruhe. Du betrachtest diesen Mitarbeiter und versuchst zu ergründen, warum er so rummault. Woher kommt seine schlechte Laune? Fühlt er sich unter Druck? Gestresst? Gibt es etwas, das ihn belastet?

Im zweiten Schritt bedauerst du sein pampiges Verhalten. Deine Aufmerksamkeit bleibt bei ihm. Du versuchst ihn zu stoppen und ihm zu helfen.

Vergleiche nun: Wie würde es sich anfühlen, wenn du deinem Mitarbeiter auch eine überbraten würdest. Und welche Folgen hätte das?

Merkst du den Unterschied?

 

Alles wird im eigenen Geist erschaffen

Wenn du deine Seelenruhe behältst, dann hast du auch mehr Mitgefühl. Mitgefühl verstärkt deine Seelenruhe. Du kannst leichter akzeptieren, was ist. Dein Geist wird sanft.

  • Du fühlst dich mit der Zeit immer weniger angegriffen.
  • Du nimmst Dinge immer seltener persönlich.
  • Du nimmst die Hintergründe wahr, aufgrund dessen Leute ihre Beschwerden raushauen.
  • Du fühlst dich immer seltener verletzt.
  • Du kannst gelassen reagieren bei deinen Mitarbeitern.
  • Du spürst weniger Druck in dir.
  • Du fühlst dich leicht und frei.

In jedem Moment schaffst du durch deine eigene Geisteshaltung deine persönliche emotionale Landkarte, die dich durch deinen Unternehmeralltag führt. Das, was du aktivierst, verstärkst du. Das, was du außer Acht lässt, reduzierst du.

 

Sei dein eigener Meister!

Ein gutes emotionales Management lässt dich mit Seelenruhe reagieren. Du brauchst dazu innere Flexibilität, Unabhängigkeit und Klarheit. Das kannst du lernen.

 

Wenn du’s nicht alleine schaffst, helfe ich dir gern in einem Coaching. 

Du lernst, selbst zu entscheiden, wie und wann du auf etwas reagieren möchtest.

  • Ich zeige dir, wie du deine Seelenruhe entwickelst und dein Mitgefühl aktivierst.
  • Wie du gute Ergebnisse produzierst.
  • Wie du Druck loswirst und eine gelassene Atmosphäre erzeugst. Zum Wohl aller.

 

Wenn dich das anspricht, dann melde dich und wir sprechen darüber. Das ist für dich völlig unverbindlich und kostenfrei. Du kannst dich auch für ein kostenfreies 20-minütiges Blitzcoaching anmelden. Da bekommst du schon erste Hinweise für deinen Seelenfrieden.

Klicke hier und buche dir einen Termin für ein kostenfreies Blitzcoaching

 

Weiterführende Artikel:

„Warum Mitgefühl hilfreich sein kann, Mitleid aber nicht“

„Warum Mitgefühl auch knallhart sein kann“

„Warum es manchmal so schwer ist Mitgefühl zu empfinden“

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, Führung, Unternehmertools, 0 comments
Wie läuft ein Coaching ab

Wie läuft ein Coaching ab

Emotionales Management braucht einen guten Coach

Coaching für emotionales Management ist kein reines Business-Coaching. Und das ist gut so. Denn der Erfolg eines Coachings ist abhängig von vielen Faktoren. Vor allem auch davon, ob dein Coach mit dir in die Tiefe gehen und Hintergründe deines Business-Themas erfassen kann, die in deiner Persönlichkeit liegen. Denn dann sind Veränderungen nachhaltiger und umfassender. Außerdem auch leichter umzusetzen und beizubehalten. Doch zunächst mal zu den Voraussetzungen für ein gutes Coaching:

  1. Dein Coach muss zu dir passen. Er muss dich verstehen können und vielleicht Erfahrungen gemacht haben, die du auch gemacht hast. Dann kann er auch gut mit dir FÜHLEN. Und nur dann kannst du dich wirklich gut öffnen und dein Thema anschauen.
  2. Du musst zu deinem Coach passen. Auch wenn dein Coach sich an dich anpassen kann, gibt es eine Ebene, die stimmen muss. Mir zum Beispiel ist eine ethisch und menschlich korrekte Haltung absolut wichtig. Ich würde mit niemandem arbeiten wollen, dem es darum geht, anderen zu schaden und möglichst viel für sich selbst rauszuholen. Damit könnte ich nicht gut umgehen und will es auch nicht. Es entspricht nicht meinen Werten. Meine Werte sind, anderen mit Liebe, Mitgefühl und Respekt zu begegnen und zuverlässig zu sein.
  3. Dein Coach muss die passenden Methoden für dein Problem haben. Und verantwortungsvoll mit ihnen umgehen können. Je tiefergehend du mit ihm arbeiten möchtest, umso wichtiger ist es, dass dein Coach sattelfest ist und nicht unsicher wird. Das kommt mit der Zeit und der Erfahrung, die der Coach hat. Deshalb ist das Coaching bei einem sehr erfahrenen Coach auch sehr viel teurer als bei einem, der gerade anfängt. Du kannst mit ihm nämlich viel schneller in die Tiefe gehen, den Knackpunkt finden und etwas verändern. Das erspart dir viel Zeit.
  4. Vor allem wenn dein Thema eine emotionale Komponente hat, muss dein Coach die Logik der Psyche verstehen. Um dir helfen zu können, muss er deine Strukturen erkennen und den Hintergrund deines Fühlens und Verhaltens herausfinden. Er muss dein Unterbewusstsein ansprechen und mit ihm arbeiten. Das funktioniert nur, wenn er dir ganz viel Sicherheit und Vertrauen vermitteln kann. Deshalb braucht er selbst ein brillantes emotionales Management.

 

Viele Coaches gehen kognitiv an eine Fragestellung heran. Das ist hilfreich, wenn es Dinge zu sortieren gibt. Doch sobald dein Thema eine auch nur klitzekleine emotionale Färbung hat, reicht das Nachdenken über eine gute Lösung allein nicht mehr aus. Du kennst das sicher: du hast ein Problem und hast schon oft darüber nachgedacht. Theoretisch wäre dir klar, was zu tun ist. Aber du kannst es einfach nicht umsetzen. Irgendetwas hält dich immer wieder davon ab.

Dann ist es notwendig, tiefer in das Thema hineinzugehen und zu spüren, was im Hintergrund wirkt. Das ist immer ein „guter Grund“. Wenn er stark ist, dann kannst du dein Thema nicht lösen, ohne ihn einzubeziehen. Auch wenn du’s möchtest. Das ist wie Tauchen mit Schwimmreifen oder wie Eislaufen auf Rollschuhen.

 

Coaching für emotionales Management – ein systemisches Coachingkonzept, das in die Tiefe geht

Wenn ich mit einem Kunden arbeite, helfe ich ihm dabei, seine eigene Persönlichkeit besser zu verstehen und anzunehmen. So kann er sich am besten neu ordnen und Lösungen auch umsetzen. Das ist Coaching für emotionales Management. Es ist ein systemisches Coachingkonzept, das aus der Psychotherapie kommt und auf der ethischen Haltung von Liebe und Mitgefühl basiert. Nur mit Mitgefühl kannst du an deinem Verhalten wirklich etwas verändern. Denn wenn du nicht annimmst, was war, und mit Mitgefühl darauf schaust, gibt’s keine Veränderung. Und dann funktioniert auch keine Versöhnung. Die ist aber wichtig, damit die Entwicklung weitergehen kann. Durch Mitgefühl werden die inneren Strukturen erst wieder beweglich. So als wenn ein eigefrorenes Herz erst aufgetaut werden muss, damit es wieder schlagen kann. Und erst wenn es wieder schlägt, fließt das Blut erneut und ernährt alle Zellen. Erst dann passiert was. In dem Moment kannst du die verschiedenen Facetten deiner Persönlichkeit neu ordnen und deinen Unternehmensalltag gestalten.

Während eines Coachings für emotionales Management suchen wir deshalb auch nach frühen Prägungen und Emotionen, die sich auf deinen heutigen Unternehmensalltag auswirken. Frühere Verhaltensmuster waren irgendwann einmal sinnvoll, sind heute aber so nicht mehr notwendig. Da sie aber aus gutem Grund entstanden sind, lassen sie sich nicht so einfach verändern. Und schon gar nicht durch Nachdenken. Du musst tiefer schauen und vor allem fühlen. Erst dann verstehst du die Zusammenhänge und kannst entsprechend korrigieren.

 

Wie findest du den guten Grund heraus

Ich nutze im Coaching vor allem systemische Methoden wie zum Beispiel die systemische Aufstellungsarbeit. Oder auch hypnosystemische Intervention oder einfach Körperfeedback. Das sind alles Methoden, die auch in der Therapie eingesetzt werden. Die Psyche bleibt schließlich die Psyche, egal, ob du sie im Arbeitsumfeld oder im privaten Bereich betrachtest. Sie lässt sich in ihren tiefen Schichten nur durch Symbole und Bilder berühren. Auch eine bildhafte und gefühlvolle Sprache funktioniert. Auf jeden Fall muss der gute Grund und die dazugehörigen Gefühle ins Blickfeld rücken. Sonst verstehst du dein Problem zwar oberflächlich, kannst aber an deinem Verhalten und deinem Fühlen trotzdem nichts ändern. In der Tiefe steckt eigentlich immer noch mehr dahinter, als du denkst. Und das herauszufinden und die Information dann gut einzusetzen ist emotionales Management.

 

Die Kraft, die im Widerstand steckt

Meistens gibt es gegen eine Veränderung auch hartnäckigen inneren Widerstand. Daran kannst du sehen, dass in dir ein starker innerer Antreiber ist, der deinen guten Grund beschützt. Und der entsteht meistens aus Liebe und Verbundenheit. Und genau da liegt der Schlüssel. Wenn du diesen Widerstand mit Empathie betrachtest, verstehst du seinen Zweck. Und erst dann kannst du die darin gebundene Power herauslösen und in eine neue Form bringen. Das hat nichts mit oberflächlichem positivem Denken zu tun. Dieser Akt funktioniert nur mit Mitgefühl. Denn das wirkt wie ein Katalysator für deine Veränderung.

Um dir selber auf die Spur zu kommen, brauchst du auch die richtige Atmosphäre. Nur dann kannst du eintauchen in deinen persönlichen Hintergrund. Voraussetzung dafür ist, dass du dich vollkommen angenommen fühlst. Diese absolute Annahme all dessen, was ist, gehört zur Basis eines guten Unternehmercoachings. Und ganz grundsätzlich auch zu einem freudvollen und zufriedenen Lebensgefühl. Im Coaching sorgt diese Annahme für nachhaltige Veränderung. Für meine Kunden erzeuge ich diese Atmosphäre durch meine eigene innere Haltung. Ich nehme an, was sich zeigt. Ohne Urteil. Denn so kommen wir knackig auf den Punkt.

 

Der Unterschied vom Coaching für emotionales Management zum reinen Business-Coaching

Business-Coachs arbeiten im beruflichen Coaching meistens nicht mit frühen Prägungen. Die sind aber enorm wichtig auch für die Gegenwart. Nur wer die eigenen Prägungen kennt und die darin gespeicherten Gefühle versteht, kann sie dann auch steuern und aktuelles Verhalten anpassen.

Der Versuch, Verhalten dauerhaft zu verändern ohne die tiefen Strukturen dahinter zu kennen, braucht sehr viel permanente Willensanstrengung. Veränderungen entstehen dabei nicht aus dem eigenen Inneren und im Einklang mit der eigenen Struktur, sondern sie bleiben an der Oberfläche und brauchen Energie und Aufmerksamkeit. Das fühlt sich für den Betroffenen an wie ein Dauerkampf. Die Erschöpfung ist damit  aber schon vorprogrammiert.

 

Wie kannst du Verhalten und Fühlen durch ein Coaching für emotionales Management verändern

Jedes Gefühl und das daraus folgende Verhalten ist eine Stärke! Aber nur im richtigen und passenden Moment. Im unpassenden Moment erscheint es als Schwäche. Um die Stärke zu finden, brauchst du den richtigen Blickwinkel. Die Suche danach nennt man „Reframing“. Du stellst das Gefühl und Verhalten in einen anderen Rahmen und schaust nochmal, wie es dann aussieht.

Wenn du den starken Rahmen gefunden hast, lockert der dein negatives Urteil über dein Verhalten. Und anschließend helfe ich dir, den ursprünglichen Sinn dieses Verhaltens zu suchen. Für diese Phase brauchen wir beide sehr viel Mitgefühl. Am Ende schaust du mit Verständnis auf dich selber anstatt mit Strenge und Ablehnung. Du verstehst deine komplexen Strukturen. Du gibst den Widerstand auf. In dem Moment setzt du enorme Energie frei, die du zuvor in den Kampf mit dir selber gesteckt hast.

Von diesem Moment an kannst du dich neu sortieren, so dass du eine passendere Seite von dir in der jeweiligen Situation nutzen kann. Du fühlst dich nicht mehr unpassend, schwach, ängstlich etc. Du aktivierst deine Stärken und reitest wie ein Surfer mit dem richtigen Gleichgewicht aufrecht durch die Welle. Diese innere Beweglichkeit und zugleich Balance zu haben ist emotionales Management.

Das wiederum hat enorme Auswirkungen in deinem Unternehmen. Denn dein Verhalten erzeugt Resonanz bei deinen Mitarbeitern. Oft spiegeln sie deine tiefen Strukturen. Und wenn du daran arbeitest, stößt du Veränderungen im großen Ganzen an.

Wenn du dichr ein Coaching für emotionales Management interessierst, dann melde dich bei mir!

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Emotionales Management für Unternehmer, Persönlichkeitsentwicklung, 0 comments

Warum du als mitfühlender Unternehmer auch mal knallhart handeln musst

Zeichnung: Hanne Demel

Ich kenne eine Menge Unternehmer, die sagen, Mitgefühl wär nix für sie. Sie wären ja schließlich keine Weichflöter und Lullibulli-Typen, die alles in ein rosa Mäntelchen packen. Und andere wiederum fühlen sich schlecht, wenn sie manchmal harte Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen müssen.

 

Mitgefühl hat Power 

Stell dir mal vor, du siehst, wie dein Kind gerade im Begriff ist, eine gefährliche Dummheit zu begehen. Was tust du? Du fährst dazwischen und stoppst es, stimmt’s? Und warum? Weil dir dein Kind am Herzen liegt und weil du auch keine Zeit verlieren kannst mit langen Erklärungen. Die können ja später folgen. Du willst, dass es in Sicherheit ist und es ihm gut geht. Und dafür ist genau in diesem Moment diese harte Grenze notwendig. Du weißt das, aber dein Kind in dem Moment wahrscheinlich nicht.

Vielleicht kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern: Ein strenger Lehrer war ein guter Lehrer, solange du spüren konntest, dass er es gut mit dir meinte. Du wusstest, wo es langgehen sollte und kanntest die Grenzen. So konntest du dich auf das konzentrieren, was wichtig war und unwichtigen Kram beiseite lassen.

 

Woran erkennst du Mitgefühl

Entscheidend ist die Motivation, aus der heraus du etwas tust. Wenn dein Handeln aus einer akuten nicht kontrollierbaren Emotion wie z. B. Wut entsteht, dann kann es sein, dass dein Mitgefühl dir gerade abhanden gekommen ist.

Wenn du andere durch dein Handeln schützen und sie weiterbringen willst, dann schwingt da Mitgefühl. Auch wenn’s knallhart rauskommt.

Stell dir vor, dein Mitarbeiter hat gerade einen riesen Bockmist gebaut hat. Du kannst dich über seinen Bockmist ärgern und ihn anschreien. Du kannst ihm aber auch mit Schmackes deutlich klarmachen, dass das ein Fehler war, den er dringend ändern muss, damit du ihn behalten und ihm wieder vertrauen kannst. Vielleicht ist deine Ausdrucksweise beide male knackig, aber die Motivation dahinter ist jedes Mal eine völlig andere.

Handlungen aus Mitgefühl heraus sind in der Wirkung tiefer. Der andere spürt, dass du es im Grunde gut mit ihm meinst.

Niemand kann immer Glacehandschühchen anziehen. Manchmal braucht es auch einen Hammer, um etwas Nachdruck zu verleihen.

 

Mitgefühl ist nicht Mitleid

Mitgefühl hat wirklich nichts mit Mitleid zu tun. Wenn du denkst, du müsstest jemanden bedauern, dann hast du eher Mitleid. Dabei verlierst du aber dein Mitgefühl. Über den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl habe ich auch einen Beitrag geschrieben. Ich verlinke ihn unter diesem Artikel hier.

 

Wie kannst du herausfinden, ob du mitfühlend handelst

  1. Ob du aus Mitgefühl oder aus eigener Wut und Betroffenheit heraus handelst, kannst du an Folgendem unterscheiden: wenn du aus Mitgefühl Schwung geholt hast, dann kannst du deinen Schwung auch sofort wieder stoppen, sobald du merkst, dass dein Schwung gerade falsch ankommt. Wenn du aber aus Wut handelst, steckst du in deinen Gefühlen fest und kannst nicht so schnell umschwenken.
  2. Wenn du beobachten kannst, welche Wirkung du mit deinem Verhalten erzeugst, dann hast du schon Mitgefühl. Du kannst dich anpassen je nachdem, welche Wirkung du erzeugen möchtest. Das ist übrigens emotionales Management.
  3. Wenn du  mitbekommst, dass jemand negative Dinge tut, dann ist es in höchstem Grade mitfühlend, wenn du ihn rigoros stoppst. Hau ihm eins vor den Latz, damit er aufhört, denn wenn du ihn davor bewahren kannst, noch mehr  negativen Unfug zu machen, muss er später weniger leiden. Alles, was du tust, legt die Ursache für das, was nachfolgt. Es erzeugt ein Echo. Negatives Verhalten zieht negatives Erleben nach sich. Indem du demjenigen eins vor den Bug gibst, beschützt du ihn davor, noch mehr negative Dinge zu tun. Denn die negative Suppe, die er durch sein negatives Handeln erzeugt, wird er früher oder später selbst wieder auslöffeln müssen. Du stoppst ihn, weil dir sein Wohl am Herzen liegt.

 

Mitfühlend handeln bedeutet immer, das Wohl des anderen im Blick zu behalten. Und zwar ohne dass du dich selber aufgibst oder aufopferst.

 

Weitere Artikel zum Thema: „Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht“

Hanne Demel

Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, 0 comments