Ethik

Warum du dich selber und dein Unternehmen am besten schützen kannst, wenn du Mitgefühl entwickelst

Warum du dich selber und dein Unternehmen am besten schützen kannst, wenn du Mitgefühl entwickelst

Warum kann Mitgefühl ein so ungeheurer Schutzfaktor sein – sowohl für denjenigen, für den du Mitgefühl empfindest als auch für dich selber? Was denkst du? Mitgefühl und Empathie entstehen nur dann, wenn du in die Beobachterrolle gehst. Wenn du dich nicht reinziehen lässt sondern innerlich Distanz bewahrst. Und Distanz ist wiederum der Nährboden für gelassenes Handeln und Fühlen.

Was passiert, wenn du KEIN Mitgefühl hast:

 

1. Dir fehlt die innere Distanz.

Ohne Mitgefühl nimmst du das, was dein Gegenüber sagt, meistens sehr persönlich. Du hast keine innere Distanz. Du fühlst dich in deiner Persönlichkeit verletzt und produzierst entsprechende Gefühle. Versteh mich bitte nicht falsch: es ist wichtig, dem anderen zu sagen, wenn er Bockmist redet und sich verletzend verhält. Aber sich über längere Zeit verletzt zu FÜHLEN ist eigentlich nicht unbedingt notwendig dafür.

Sobald du dich verletzt FÜHLST, brauchst du mehr inneren Abstand. Denn dann fällt es dir leichter gelassen zu bleiben. Deine Selbstschutzmechanismen springen dann nicht automatisch an und du kannst bewusst entscheiden, wie du reagieren willst.

 

2. Du reagierst ungesund.

Stell dir mal vor, ein Mitarbeiter haut dir irgendwas vor den Latz, weil er gerade gereizt und schlecht gelaunt ist. Du bist augenblicklich stinksauer. Dein Blutdruck schießt nach oben und du fühlst dich beleidigt. Das verhärtet deine Gesichtsmuskeln, was auf Dauer dein Empfinden von Freude beeinträchtigt. Oder du versuchst deinen Ärger runterzuschlucken und kriegst davon ein Magengeschwür. Klingt alles nicht gerade gesund, oder? Mit solchen Reaktionen schränkst du außerdem deine Möglichkeiten zur Deeskalation massiv ein.

 

3. Du verstärkst Konflikte.

Wenn ein Konflikt auftritt, reagierst du instinktiv. Statt emotionalem Management entstehen emotionale Reflexe. Frühere Erfahrungen werden angetriggert und du feuerst entsprechend deiner alten Überlebensmuster. Doch die sind im aktuellen Fall nicht immer die hilfreichsten.

So setzt deine spontane Reaktion vielleicht eine negative Spirale in Gang, die du so schnell nicht wieder stoppen kannst. Das Fatale an solchen Negativspiralen ist, dass sie Konflikte immer weiter verstärken. Das kann bis zu einem Punkt gehen, von dem aus du nicht mehr zurück kannst. Daran sind schon Beziehungen zerbrochen, die nicht hätten zerbrechen müssen. Und Konflikte in Betrieben entstanden, die – hätte man die Spirale früher unterbrochen – niemals so zerstörerisch geworden wären.

Wenn persönlicher Stolz verletzt wird, ist es für manche Menschen unmöglich, auch nur einen Schritt zurückzurudern. Sie produzieren lieber noch mehr Scherben als „zu verlieren“. Damit schneiden sie sich quasi noch tiefer ins eigene Fleisch anstatt zu deeskalieren. Das ist leider das Gegenteil von Mitgefühl.

 

4. Du erzeugst negative Folgen für dein Unternehmen

Wenn du ohne Mitgefühl und Empathie agierst, erzeugst du in deinem Unternehmen Stress. Das zieht mit der Zeit innere Kündigung, Rückzug, Dienst nach Vorschrift, Krankheitsausfälle und reale Kündigungen nach sich. Wenn Mitarbeiter Konflikte mit dir haben, können sie in der Regel nur auf indirekte Weise reagieren. Das liegt daran, dass du der Ranghöhere bist und sie mit dir nicht ganz auf Augenhöhe und in gleicher Weise antworten können. Du bist schließlich der Chef. Also halten sie sich entsprechend zurück mit dem Ergebnis, dass die Konflikte aus sämtlichen anderen Löchern pfeifen und deine Wertschöpfung massiv beeinträchtigen.

 

Fazit: ungebremste instinkthafte emotionale Reaktionen ohne Empathie und Mitgefühl stören und mindern deine Wertschöpfung.

 

Was passiert im Geist von jemandem, der sich negativ verhält und wenig Mitgefühl hat

Der eigene Geist ist immer wach und präsent. Er speichert alles, was er wahrnimmt, egal wer etwas tut. Er ist wie weicher Ton, der alles, was ihn berührt, wieder zeigt.

Wenn man sich negativ verhält, dann speichert der Geist diesen negativen Ausdruck. Er sammelt somit weitere Negativität an und erzeugt mit der Zeit ein gewaltiges negatives Bild in sich selber, das sich immer weiter reproduziert.

Das, was im Geist gespeichert ist, spiegelt sich im Leben wider. In den Erwartungen, in der Haltung und im ganzen Erleben. Negativität reproduziert sich damit selbst erneut.

Mit anderen Worten: Du baust dir selbst die Brille, durch die du deine Welt wahrnimmst. Ist in dir viel Negativität und wenig Mitgefühl, dann nimmst du die Welt auch als bedrohlich, kalt und unsicher wahr. Hast du Mitgefühl, dann erlebst du innere Stabilität, Ruhe und Freude.

 

Ein Beispiel dazu:

Wenn du immer wieder wütend bist, wirst du fortwährend auf Wut treffen oder sie selbst in dir erzeugen, denn dein Geist hat viele Wuteindrücke gespeichert. Das wird zur Gewohnheit. Du wirst dann tausend Gründe finden, warum du wütend wirst. Die müssen nicht unbedingt der „Wahrheit“ entsprechen, doch du glaubst daran. Und Du erwartest den gleichen Geist bei anderen. Du denkst – ohne darüber zu reflektieren – dass andere auch wütend sind, dich angreifen wollen etc. Du hast dann sehr schnell das Gefühl, dich verteidigen und rechtfertigen zu müssen, obwohl du das vielleicht gar nicht musst. Du erlebst die Welt als Kampf.

 

Ein anderes Beispiel:

Wenn du immer wieder sehr ehrgeizig und streng mit dir und/oder mit anderen umgehst, dann speicherst du in deinem Geist Strenge, Vergleich und Urteil. Du wirst dich selbst also auch immer wieder vergleichen und beurteilen oder zumindest beurteilt fühlen. Denn das entspricht deinen inneren Mustern. Du verstärkst mit der Zeit diese Urteile, indem du sie immer wieder wiederholst. Damit erzeugst du sehr viel Druck in dir und du erlebst die Welt eng und bedrohlich.

 

Warum Mitgefühl zu haben eigentlich gar nicht so schwer ist

Bedenke: Alles, was du tust, erzeugt eine Resonanz in der Welt und wird wieder zur Ursache von etwas anderem, das du erlebst. Wenn jemand negative Ursachen setzt, wird er negative Resultate bekommen. Früher oder später. Wenn du also jemanden beobachtest, der sich negativ verhält, könntest du dich im Grunde einfach zurücklehnen und abwarten. Du brauchst vielleicht einen längeren Atem, doch keinen eigenen Holzhammer. Die Suppe, die derjenige sich da gerade braut, wird er schon irgendwann wieder auslöffeln müssen. So wie jeder andere auch.

Wenn du aus diesem Blickwinkel zuschaust, siehst du, wie derjenige gerade sein eigenes künftiges Leiden erzeugt. Denn je ätzender sich jemand verhält, umso mehr wird er daran leiden. Und umso größer könnte deshalb auch dein Mitgefühl für ihn sein, da du weißt, welche Resonanz er in seinem Geist erzeugt und was er sich selbst damit antut.

 

Und was passiert, wenn du Empathie und Mitgefühl aktivierst?

In dem Moment, in dem du mit Mitgefühl an jemanden denkst, denkst du nicht an dich selber. Du haftest nicht an dir und deinen eigenen Gefühlen sondern du bist Beobachter. Du selbst bist offen und leer.

 

1. Mitgefühl lässt das eigene „Ego“ schmelzen.

Wenn deine Gedanken an dir selber kleben bleiben, erzeugst du viel Leiden. Denn du kreiselst immer wieder um das herum, was dich verletzt hat. Wenn du es schaffst, Mitgefühl zu empfinden, löst du dieses Kleben und Kreiseln um dich selbst auf und richtest deine Aufmerksamkeit auf jemand anderen. Damit endet dein eigenes Verletztsein. Und somit dein Leiden. Du lässt quasi dein „Ego“ schmelzen.

Deshalb denke immer daran: Je mehr negative Worte jemand raushaut, umso größer darf dein Mitgefühl für ihn sein, da nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip dieser Mensch durch seine eigene Negativität leiden wird. Mit diesem Gedanken kannst du gleichzeitig innere Distanz  aufzubauen und halten.

 

2. Mitgefühl macht emotionales Management möglich

Durch innere Distanz zum Geschehen kannst du jederzeit ÜBERLEGEN, wie du am besten reagieren solltest. Was wäre am hilfreichsten? Womit würdest du dein Gegenüber am besten stoppen? Wie könntest du ihm klarmachen, dass das, was er gerade tut, nicht gut ist?

Diese Überlegungen finden in einer anderen Hirnregion statt als die reflexhaften Reaktionen. Sie kommen aus deinem Bewusstsein. Dort hast du die Möglichkeit zu entscheiden. Instinktreaktionen bleiben im Hintergrund. In dem Moment ist dein emotionales Management vollkommen intakt. Du kannst entscheiden, wie du reagieren willst. Das passiert nicht mehr automatisch.

 

Und jetzt mal ein konkretes Beispiel zum Hinspüren:

Ein Mitarbeiter haut dir pampig etwas um die Ohren. Statt dich aufzuregen, aktivierst du dein Mitgefühl. Du betrachtest ihn und versuchst ihn zu verstehen. Wo kommt seine schlechte Laune her? Fühlt er sich unter Druck? Gestresst? Gibt es etwas, das ihn belastet?

Im zweiten Schritt bedauerst du sein pampiges Verhalten. Deine Aufmerksamkeit bleibt bei ihm. Du versuchst ihn zu stoppen und ihm da rauszuhelfen.

Vergleiche nun: Wie würde es sich anfühlen und welche Wirkung hätte es, wenn du deinem Mitarbeiter auch eine überbraten würdest. Und dann: Wie fühlst du dich und welche Folgen erzeugst du, wenn du Mitgefühl für ihn hast und versuchst, ihm da rauszuhelfen oder zumindest ihn zu verstehen. Merkst du den Unterschied?

 

Alles wird im eigenen Geist erschaffen

Wenn du Mitgefühl für andere hast (und natürlich auch für dich selber), dann speicherst du Mitgefühl in deinem Geist. Die Akzeptanz und Sanftheit des Mitgefühls wird sich in deinem eigenen Geist festigen und verstärken.

  • Du fühlst dich mit der Zeit immer weniger angegriffen.
  • Du nimmst Dinge immer seltener persönlich.
  • Du nimmst die Hintergründe wahr, aufgrund dessen die Leute ihre Klöpse raushauen.
  • Du fühlst dich immer seltener verletzt.
  • Du kannst gelassen reagieren bei deinen Mitarbeitern.
  • Du spürst weniger Druck in dir.
  • Du fühlst dich leicht und frei.

In jedem Moment schaffst du durch deine eigene Geisteshaltung deine persönliche emotionale Landkarte, die dich durch deinen Unternehmeralltag führt. Das, was du aktivierst, verstärkst du. Das, was du außer Acht lässt, reduzierst du.

 

Sei dein eigener Meister!

Ein gutes emotionales Management lässt dich gelassen und mitfühlend reagieren. Du brauchst dazu innere Flexibilität, Unabhängigkeit und Klarheit. Das kannst du lernen.

 

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  • Du lernst, selbst zu entscheiden, wie und wann du auf etwas reagieren möchtest.
  • Du lernst, dein Mitgefühl zu aktivieren und für gute Ergebnisse einzusetzen.
  • Du lernst, Druck loszuwerden und eine gelassene Atmosphäre zu erzeugen. Zum Wohl aller.

 

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Weitere Artikel zum Thema Mitgefühl:

„Warum Mitgefühl hilfreich sein kann, Mitleid aber nicht“

„Warum Mitgefühl auch knallhart sein kann“

„Warum es manchmal so schwer ist Mitgefühl zu empfinden“

Hanne Demel

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Hilfe, mein Kopf platzt!

Hilfe, mein Kopf platzt!

Foto iStock.com: castillodominici

 Vier edle Wahrheiten aus der buddhistischen Ethik: Was haben sie mit meinem Business zu tun?

Kennst du solche Tage, an denen du alles im Griff hast und es wie am Schnürchen läuft? Zufrieden lehnst du dich in deinem Stuhl zurück, hakst den letzten Punkt deiner ToDo-Liste ab und lächelst leise vor dich hin.

Tja, wenn’s von solchen Tagen doch mehr gäbe!

An den anderen Tagen höre ich meinen Posteingang förmlich nach Bearbeitung schreien. Meine ToDo-Listen werden länger statt kürzer. Gerade schraube ich auch noch schnell an einem kniffligen Stück html-Code, weil mein Programmierer nicht erreichbar ist. Jawohl, hat geklappt, aber zwischendrin klingelt dreimal das Telefon. Jedes Mal vergesse ich beinahe, woran ich gerade gearbeitet habe. Und die komplexeren Aufgaben türmen sich vor mir auf wie die Schneeberge vor einem Schneeschieber. Mein Kopf platzt gleich aus allen Nähten. Er dankt es mir, indem er anfängt, Dinge zu vergessen. Als erstes sind Namen dran. Die werden mal eben gelöscht. Dann breitet sich die Stress-Alzheimer weiter aus. Das bedeutet, ich werde auch noch langsamer, obwohl ich eigentlich Gas geben wollte. Das hab ich also davon.

Geht’s dir auch manchmal so?

Wie du vielleicht weißt, bin ich sehr stark mit der buddhistischen Ethik verbunden und praktiziere und lese täglich das Lotus-Sutra. Und da habe ich mir mal wieder die Vier edle Wahrheiten und den Achtfachen Pfad angeschaut. Sie können enorm helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen.

Vier Edle Wahrheiten:

1. Edle Wahrheit:

Das Leben des Daseinskreislauf ist letztendlich leidvoll, denn das Dasein besteht aus Unvollständigkeit und Unvollkommenheit.

2. Edle Wahrheit: 

Jedes Leiden hat eine Ursache. Die Ursache des Leidens ist Anhaftung. Die Anhaftung entsteht aus Gier, Hass und Verblendung, also Unklarheit.

3. Edle Wahrheit: 

Es gibt einen Weg, Leiden zu beenden. Wenn die Ursachen erlöschen, erlischt das Leiden. Erkennt man also die jeweilige Ursache eines leidvollen Zustandes, dann kann man ihn beseitigen.

4. Edle Wahrheit:

Der Achtfache Pfad führt zur Befreiung aus dem Leiden, denn er beinhaltet Empfehlungen für korrektes Denken und Handeln, was die Anhaftung auflöst:

  • Rechtes Verständnis
  • Rechtes Denken
  • Rechte Rede
  • Rechte Handlung
  • Rechter Lebenserwerb
  • Rechte Anstrengung
  • Rechte Achtsamkeit
  • Rechte Konzentration

Und wie nützt mir das nun für mein Business?

Die 1. Edle Wahrheit: 
Alles, was ist, ist unvollständig und keinesfalls perfekt. Egal was ist, es wird immer zwei oder mehrere Seiten haben, es wird immer unvollständig bleiben. Es ist nicht möglich, jemals „fertig“ zu werden oder etwas absolut perfekt hinzubekommen. Das heißt, ich brauche auch gar nicht nach Perfektion zu streben. Das wird sowieso nix…  100 Prozent geben und mit 60 bis 80 Prozent Ergebnis zufrieden sein. Das sollte reichen, um Erfolg zu haben und glücklich zu sein! Mit „100 Prozent geben“ ist nun aber nicht gemeint, dass du dich bis zum Anschlag stressen und angespannt durch deinen Tag gehen sollst. 100 Prozent geben bedeutet, deine Aufmerksamkeit zu 100 Prozent auf die Sache zu richten, die du gerade erledigst. Und so machst du ein Ding nach dem anderen. Unterbrechungen solltest du entweder akzeptieren oder dafür zu sorgen, dass du nicht unterbrochen wirst. Verschwende keinen Gedanken an gestern oder morgen!

Die 2. Edle Wahrheit: 
Viele Menschen haben enorm hohe Ansprüche an sich selbst und dann auch an andere. Auch das ist eine Form der „Gier“ aus buddhistischer Sicht. Dahinter stehen persönliche Konzepte im Denken und Handeln. Sie bilden deine Persönlichkeit und sind auch für deine Erwartungen zuständig. Du hast diese Konzepte irgendwann gelernt. Das sind einfach sehr tief eingegrabene Gewohnheiten, die du normalerweise nicht hinterfragst. Sie bilden deine Sicht auf die Dinge. Dein Weltbild. Dein Lebensgefühl. Und gleichzeitig engen sie deinen Geist ein, ohne dass du das merkst. Ein enger Geist aber leidet schneller, zum Beispiel wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Stell dir also immer die Frage, ob das tatsächlich so sein muss, wie du dir das gerade denkst, und räume die Möglichkeit ein, dass es auch anders sein könnte. So kannst du die „Gier“ eines zu hohen Anspruchs leichter loslassen.

Die 3. Edle Wahrheit:
Um deine eigenen Konzepte und Handlungsmuster zu erkennen, die dir Stress bereiten, brauchst du Ruhe und Selbstreflexion. Ohne Selbstreflexion kannst du nichts in deinem Leben wirklich verändern. Das ist die Fähigkeit, die uns Menschen von den Tieren unterscheidet. Indem du dich selbst beobachtest und auch hinterfragst, lernst du etwas über deine inneren Strickmuster. Du weißt, warum du so und nicht anders tickst. Du kannst dich bewusst steuern. Du kannst vor allem Mitgefühl entwickeln, sowohl für dich selber als auch für andere. Damit hast du einen ungeheuren Schutz vor negativen Situationen oder negativen Menschen. Und auch vor eigener Negativität. Also stelle dir für deine Selbstreflexion folgende Fragen:

  • Welche Ansprüche habe ich tatsächlich an mich selbst?
  • Was erwarte ich von anderen?
  • Wie muss für mich die Welt sein, damit ich mich glücklich fühle?

Einige Beispiele für den Schneepflug und andere Gelegenheiten:

  • Wenn du den Anspruch hast, noch heute 30 Punkte von deiner To-Do-Liste abzuhaken, dann fühlst du dich am Abend schlecht, weil du nur 10 Haken hinbekommen hast. Dann nimm dir weniger vor.
  • Wenn du von deinem Partner – sei es im Geschäft oder privat – mehr Aufmerksamkeit erwartest und sie nicht bekommst, bist du enttäuscht oder ärgerlich. Dann schenke stattdessen ihm oder anderen Menschen mehr Aufmerksamkeit.
  • Wenn du immer wieder über etwas nachdenkst, das dich geärgert hat, dann versaust du dir dein eigenes Lebensgefühl. Also denke nur an Dinge, die dich freuen und für die du dankbar bist. Alles andere verbanne aus deinen Gedanken.
  • Alles – deine Sicht auf die Welt, dein Lebensgefühl, dein Glück oder Unglück – entsteht in dir selber und ist abhängig von dir. Deshalb kannst du – und nur du – es verändern. Ändere und reduziere deine Bedingungen und Erwartungen.

Aber welches Gegenmittel bringt mich denn dann aus dem Leiden heraus?

Die 4. Edle Wahrheit:

Das ist der Achtfache Pfad. Er beschreibt rechtes Denken und Handeln und die rechte Konzentration auf die richtigen Dinge.

Wenn du dich darauf konzentrierst, dankbar zu sein und Wertschätzung zu verschenken, erzeugst du in dir Zufriedenheit. Wenn du darauf achtest, mit anderen respektvoll umzugehen, erzeugt das Respekt. Wenn du darauf achtest, genau die Qualitäten im Umgang mit anderen an den Tag zu legen, die auch du dir wünschst, erzeugst du damit eine Resonanz da draußen. Mit der Zeit werden andere sich ähnlich verhalten. Und so weiter. Das ist ethisches und menschliches Verhalten. Das ist emotionales Management.

Also nochmal: Gib, was du dir wünscht! Wünschst du dir eine friedliche Welt, sei selber friedfertig. Wünschst du dir Aufmerksamkeit von anderen, wende dich anderen bewusster zu.

Diese Weisheit gibt es in allen Kulturen und Religionen. Da fällt mir ein Spruch ein, den mir schon meine Eltern beigebracht haben: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Im Umkehrschluss bedeutet er auch: „Und was du willst, das man dir tu, das füge allen andern zu…! 😉

Zusammenfassung: Tipps für einen freien Kopf

  • Reflektiere, woran du anhaftest und lass das los.
  • Sei dankbar.
  • Nimm dir bewusst Zeit für die Dinge!
  • Erlaube dir, dass du Grenzen hast.
  • Stelle dir immer wieder die Weite des blauen Meeres und des blauen Himmels vor und öffne deinen Geist. Lass dieses Gefühl der Weite in dich hineinströmen. Lass alle Gedanken, die auftauchen, einfach weiterziehen, so wie ein stetiger Fluss, der ins Meer fließt. Stell dir vor, dass all deine Konzepte und Erwartungen aus dir herausfließen und Leere hinterlassen. Räume in deinem Kopf auf. Dahinter entsteht tiefe Ruhe. In dieser Ruhe erholt sich dein gestresstes Gehirn und deine Gesichtszüge glätten sich wieder. Und dann fallen dir auch die Namen wieder ein… 😉
  • Sei der Mensch, von dem du glaubst, dass die Welt ihn dringend braucht!

So wirst du entspannt, friedlich, glücklich und voller Mitgefühl durch deinen Alltag gehen. Das wünsche ich dir von Herzen!

Wenn ich dich dabei unterstützen kann, deinen Kopf freizubekommen und dich leicht und klar zu fühlen, dann melde dich bei mir:

Schreib mir eine Mail!

Oder ruf mich an: 0931 – 2 90 71

 

Hanne Demel

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Warum du als mitfühlender Unternehmer auch mal knallhart handeln musst

Warum du als mitfühlender Unternehmer auch mal knallhart handeln musst

Zeichnung: Hanne Demel

Ich kenne eine Menge Unternehmer, die sagen, Mitgefühl wär nix für sie. Sie wären ja schließlich keine Weichflöter und Lullibulli-Typen, die alles in ein rosa Mäntelchen packen. Und andere wiederum fühlen sich schlecht, wenn sie manchmal harte Entscheidungen treffen und diese auch durchsetzen müssen.

 

Mitgefühl hat Power 

Stell dir mal vor, du siehst, wie dein Kind gerade im Begriff ist, eine gefährliche Dummheit zu begehen. Was tust du? Du fährst dazwischen und stoppst es, stimmt’s? Und warum? Weil dir dein Kind am Herzen liegt und weil du auch keine Zeit verlieren kannst mit langen Erklärungen. Die können ja später folgen. Du willst, dass es in Sicherheit ist und es ihm gut geht. Und dafür ist genau in diesem Moment diese harte Grenze notwendig. Du weißt das, aber dein Kind in dem Moment wahrscheinlich nicht.

Vielleicht kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern: Ein strenger Lehrer war ein guter Lehrer, solange du spüren konntest, dass er es gut mit dir meinte. Du wusstest, wo es langgehen sollte und kanntest die Grenzen. So konntest du dich auf das konzentrieren, was wichtig war und unwichtigen Kram beiseite lassen.

 

Woran erkennst du Mitgefühl

Entscheidend ist die Motivation, aus der heraus du etwas tust. Wenn dein Handeln aus einer akuten nicht kontrollierbaren Emotion wie z. B. Wut entsteht, dann kann es sein, dass dein Mitgefühl dir gerade abhanden gekommen ist.

Wenn du andere durch dein Handeln schützen und sie weiterbringen willst, dann schwingt da Mitgefühl. Auch wenn’s knallhart rauskommt.

Stell dir vor, dein Mitarbeiter hat gerade einen riesen Bockmist gebaut hat. Du kannst dich über seinen Bockmist ärgern und ihn anschreien. Du kannst ihm aber auch mit Schmackes deutlich klarmachen, dass das ein Fehler war, den er dringend ändern muss, damit du ihn behalten und ihm wieder vertrauen kannst. Vielleicht ist deine Ausdrucksweise beide male knackig, aber die Motivation dahinter ist jedes Mal eine völlig andere.

Handlungen aus Mitgefühl heraus sind in der Wirkung tiefer. Der andere spürt, dass du es im Grunde gut mit ihm meinst.

Niemand kann immer Glacehandschühchen anziehen. Manchmal braucht es auch einen Hammer, um etwas Nachdruck zu verleihen.

 

Mitgefühl ist nicht Mitleid

Mitgefühl hat wirklich nichts mit Mitleid zu tun. Wenn du denkst, du müsstest jemanden bedauern, dann hast du eher Mitleid. Dabei verlierst du aber dein Mitgefühl. Über den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl habe ich auch einen Beitrag geschrieben. Ich verlinke ihn unter diesem Artikel hier.

 

Wie kannst du herausfinden, ob du mitfühlend handelst

  1. Ob du aus Mitgefühl oder aus eigener Wut und Betroffenheit heraus handelst, kannst du an Folgendem unterscheiden: wenn du aus Mitgefühl Schwung geholt hast, dann kannst du deinen Schwung auch sofort wieder stoppen, sobald du merkst, dass dein Schwung gerade falsch ankommt. Wenn du aber aus Wut handelst, steckst du in deinen Gefühlen fest und kannst nicht so schnell umschwenken.
  2. Wenn du beobachten kannst, welche Wirkung du mit deinem Verhalten erzeugst, dann hast du schon Mitgefühl. Du kannst dich anpassen je nachdem, welche Wirkung du erzeugen möchtest. Das ist übrigens emotionales Management.
  3. Wenn du  mitbekommst, dass jemand negative Dinge tut, dann ist es in höchstem Grade mitfühlend, wenn du ihn rigoros stoppst. Hau ihm eins vor den Latz, damit er aufhört, denn wenn du ihn davor bewahren kannst, noch mehr  negativen Unfug zu machen, muss er später weniger leiden. Alles, was du tust, legt die Ursache für das, was nachfolgt. Es erzeugt ein Echo. Negatives Verhalten zieht negatives Erleben nach sich. Indem du demjenigen eins vor den Bug gibst, beschützt du ihn davor, noch mehr negative Dinge zu tun. Denn die negative Suppe, die er durch sein negatives Handeln erzeugt, wird er früher oder später selbst wieder auslöffeln müssen. Du stoppst ihn, weil dir sein Wohl am Herzen liegt.

 

Mitfühlend handeln bedeutet immer, das Wohl des anderen im Blick zu behalten. Und zwar ohne dass du dich selber aufgibst oder aufopferst.

 

Weitere Artikel zum Thema: „Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht“

Hanne Demel

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Wie du gute Entscheidungen treffen kannst

Wie du gute Entscheidungen treffen kannst

Wie du gute Entscheidungen treffen kannst, ist eine der wichtigsten Fragen für dich als Unternehmer.

Nicht selten höre ich „Wenn ich’s doch nur eher geschnallt hätte…“, wenn eine Entscheidung eine ungewünschte Auswirkungen in der Zukunft hat.

Ich muss dir kurz eine Geschichte erzählen: 

Kennst du die Geschichte vom Bauern, der sehr arm war? Ein fleißiger Bauer hatte einen guten Sohn, der ihm auf dem Hof half. Für die Feldarbeit besaß er ein altes Pferd. Eines Tages riss sich das Pferd während eines heftigen Gewitters los und galoppierte in Panik davon. Da machte sich der Sohn auf, um das verschreckte Pferd zu suchen und zurückzubringen. Dabei fand er auch ein wunderschönes Wildpferd, das er einfing und mit nach Hause zu seinem Vater brachte.

Als der Sohn jedoch dieses Wildpferd zähmen und zureiten wollte, wehrte es sich und warf ihn ab. Dabei brach sich der Sohn ein Bein.
Der Bauer kratzte sein allerletztes Geld zusammen und brachte seinen Sohn zu einem Arzt, damit er ihm das gebrochene Bein schiente. Doch nun musste er die anstrengende Arbeit auf dem Hof allein verrichten und kam deshalb viel langsamer voran.

Zwei Wochen nach dem Unfall galoppierten ein paar berittene Boten des Königs auf den Hof. Sie waren ausgesandt worden, um im ganzen Land die jungen Männer zusammenzutrommeln, weil sie in den Krieg ziehen sollten. Doch den Sohn konnten sie wegen des gebrochenen Beines nicht gebrauchen und so zogen sie weiter.

Naaaa, bei was warst du gerade?

Bei „Ach so ein Glück!“ oder bei „Oh nein, so ein Unglück“?

Wenn du dir diese Geschichte wirklich reinziehst, erkennst du sehr leicht, dass die eigenen Urteile, die du aus einem sehr kleinen Blickwinkel und kurzen Zeitspannen heraus gefällt hast, sich sehr leicht wieder relativieren lassen.

Die Lehre vom abhängigen Entstehen

Alles, was passiert, wirkt sich wieder auf das aus, was danach folgt. Das nennt man in der buddhistischen Ethik das „abhängige Entstehen“. Nichts existiert allein aus sich heraus ohne Vorgeschichte.

Wenn du herausfinden willst, wie sich eine Entscheidung, die du heute triffst, in der Zukunft auswirken wird, solltest du sie systemisch durchleuchten. Dazu brauchst du einen sehr weiten Blickwinkel. Du solltest mit einer Analyse deiner Optionen beginnen und dabei verschiedenen Ebenen – die rationale und die emotionale, und zwar sowohl bei dir als auch bei anderen – einbeziehen. Dann kannst du in einer systemischen Aufstellung die einzelnen Aspekte noch einmal nachspüren und gewichten. Das ist sehr klärend.

Deinen Entscheidungen folgt deine Entwicklung

Bis zu einem gewissen Punkt kannst du künftige Entwicklung vorwegnehmen. Denn alles hat wieder etwas anderes zur Folge. Dadurch entsteht ein ganz bestimmter Weg, je nachdem, welche Entscheidung du aktuell triffst. Und dieser Weg wirft quasi seine Schatten oder sein Licht voraus. Um das sehen zu können brauchst du innere Klarheit.

Wie entsteht denn nun innere Klarheit

Wenn du an deinen Emotionen anhaftest, vernebelst du dir schon deinen Blick. Klar entscheiden kannst du erst, wenn du innerlich Distanz gewinnst. Dann kannst du deine Optionen betrachten und besser abwägen, welche Wirkung du jeweils damit in der Welt erzeugst. Wenn du in dir Sicherheit hast, kannst du auch angstfrei an die Umsetzung gehen. Denn wenn du dir sicher bist, dass du den richtigen Weg eingeschlagen hast, kommst du mit Hindernissen und Schwierigkeiten besser zurecht. Du lässt dich weniger verunsichern.

Systemaufstellungen helfen, um Klarheit zu gewinnen

Du kannst all diese Aspekte und Ebenen in einer systemischen Aufstellung abbilden und dann auch eine gewisse Entwicklungsstrecke voraussehen. Naja, vielleicht auch eher spüren, denn eine Aufstellung ist eine sehr intuitive Arbeit. Sie hilft dir, deine Optionen von Emotionen – zum Beispiel von Ängsten – zu befreien. Denn erst danach kannst du wirklich gut entscheiden. Entscheidungen, die Ängste oder auch starke Emotionen wie Wut zur Grundlage haben, sind erfahrungsgemäß nicht gerade die besten.

Wichtig ist auch, dass du ethische Aspekte mit einbeziehst. Der Mensch ist nämlich von Natur aus ein ethisches Wesen. Wenn du anderen Kummer und Schmerz zufügst, registriert dein Unterbewusstsein das. Und auf einer tiefen Ebene gibt es keine Unterscheidungen zwischen anderen Menschen und dir selber. Wenn dieser Schmerz dann irgendwann an die Oberfläche und in dein Bewusstsein dringt, leidest du. Woran auch immer du dieses Leid dann aktuell festmachst, die Samen dafür hast du vorher selber in deinen Geist gelegt…

Nichts gibt es umsonst. Wenn du deinen Erfolg auf dem Schaden von anderen aufbaust, wird deine Freude daran nicht lange halten. Auch solche längerfristigen Entwicklungen lassen sich in Systemaufstellungen gut abbilden.

Also entscheide klug und ethisch. Und lass dich unterstützen. Ich bin gern für dich da.

Hanne Demel

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Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Ethik-Stammtisch: Was ist gute Führung und wie kann jeder dazu beitragen?

Foto: Pat Christ

Was ist gute Führung? Und wie kann jeder Einzelne zu einer guten Führung beitragen, egal ob Mitarbeiter oder Führungskraft?

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

"Gute Führung ist Mangelware. Wieso gibt’s eigentlich keine Ausbildung für Führungskräfte?“, fragt eine Teilnehmerin. „Alle anderen Berufe brauchen doch auch eine extra Ausbildung, aber für Führungskräfte gibt’s nur ein paar magere Weiterbildungen. Doch um sich weiterzubilden, muss man ja erst mal ausgebildet werden, oder nicht?“

Führungsqualitäten - und wo findet man die?

Foto: istock.com istock-dk

Eine Zeitlang überlegen die Teilnehmer, wo Führungskräfte denn eigentlich ihre Qualitäten und Fähigkeiten herbekommen und schleifen können, doch das Ergebnis bleibt eher dürftig. „Das ist schon eine traurige Bilanz! Zumal viel Stress in Unternehmen auf schlechte Führung und mangelnde Wertschätzung zurückzuführen ist“, meint jemand.

Die drei "M's"

Dann meldet sich ein Unternehmer und Berater zu Wort: „Die wichtigsten Qualitäten sind doch die drei M’s!“ Fragende Gesichter in der Runde. „Na ist doch ganz klar“, meint er ginsend. „Man Muss Menschen Mögen!“ Okay, das findet Zustimmung. „Genau, wer Menschen nicht mag, hat auch nichts in einer Führungsposition verloren.“

Eine bis dato stille Teilnehmerin kommt mit einem anderen Aspekt daher: eine gute Menschenkenntnis sei wichtiger. MME! Man muss Menschen erkennen. Das verstehe sie unter einer ethischen Führung. Nur wenn man die Talente in anderen erkennt, kann man Menschen zufrieden machen und an die Positionen setzen, die ihnen entsprechen.

Hierarchien haben sich verändert, oder?

Natürlich, und sie verändern auch die Führungskultur. Nicht jeder Mitarbeiter und auch nicht jede Führungskraft eigne sich für flache Hierarchien. Viele brauchen auch einfach klare Strukturen und Vorgaben. Andere wiederum wollen Verantwortung übernehmen und selber Entscheidungen treffen. Die Bandbreite ist riesig.

Foto Pat Christ

Da ist er wieder, der Dschungel in der Führungslandschaft...  

Es scheint ein rechter Eiertanz und überhaupt nicht einfach zu sein, eine gute Führungskultur aufzubauen und allen Mitarbeitern gerecht zu werden.

Doch einig sind sich dann wiederum alle in dem Punkt, dass Führungskräfte vor allem kommunizieren müssen. Nur dann schaffen sie eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre, in der Mitarbeiter sich auch trauen, einen Fehler zuzugeben. Kommunikation ist eine menschliche Eigenschaft, die von Einzelnen mehr oder auch weniger gut beherrscht wird. Die Ausbildung für Führungskräfte sollte also als erste Basis Kommunikationstraining sein. Und Selbstreflexion!

Am besten sollten Führungskräfte doch wie gute Eltern sein… 😉

Eine sorgenvolle Frage bleibt also zum Schluss:

Wie kann man die Überhöhung und die Übererwartung an Führungskräfte am besten etwas runterschrauben? Auch Führungskräfte sind nur Menschen…

Brauchen Führungskräfte deiner Meinung nach eine Ausbildung oder nur ein Training für bewusstes, freundliches und menschliches Verhalten? Was meinst du dazu?

Und eine weitere Frage, die ich noch in den Raum stellen möchte: Was können Mitarbeiter tun, um aus ihren Führungskräften GUTE Führungskräfte zu machen? Diese Frage ist mir – obwohl mehrmals gestellt – etwas untergegangen. Vielleicht hast du noch eine Antwort?

Bitte schreibe hier gern einen Kommentar, damit die Diskussion weitergehen kann!

Und wenn du eine Spende für die Organisation des Ethik-Stammtisches geben willst, kannst du das hier tun:


Posted by Hanne Demel in Ethische Themen, Führung, 6 comments
Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Anstand und Ethik in der schriftlichen Kommunikation

Foto Pixabay: geralt

Ethik-Stammtisch: Zusammenfassung des Live-Stammtisches und des Online-Stammtisches. Ein erzählter Bericht, kein Protokoll!

Zunächst einmal kommt eine interessante Deutung auf. Anstand kommt von Anstehen, also Zurückstehen, sich zurücknehmen. Wer sich anständig verhält, lässt anderen mehr Raum. Er hält selbst erstmal inne und sondiert die Lage. Fühlt, was stimmig ist. Hört anderen zu.

Kein Widerspruch. Okee, denke ich. Lasst uns mal ein bisschen diskutieren:

Was ist mit den Social Media, frage ich also.

 

Foto Pixabay: geralt

Und wie erwartet werden sofort ganz andere Stimmen laut. Die rauben uns die Zeit, die nehmen die Möglichkeit, persönlich miteinander zu sprechen, die Leute schreiben nur negativ, beschimpfen sich…

Und sofort kommen auch Gegenstimmen. Aber nein, das ist nur eine andere Form der Kommunikation. Die gilt es zu akzeptieren. Die jungen Menschen gehen bereits mit mehr Bewusstsein an die Social Media heran! Sie lassen sich weniger reinziehen in den Social Stream als die ältere Generation, die gerade erst angefangen hat, sich damit zu beschäftigen.

Da sieht man’s mal wieder, wie schnell Urteile fallen. Was der eine begrüßt, findet der andere verwerflich. Doch über eines sind sich alle wieder einig: Kommunikation sollte wertschätzend sein, sowohl schriftlich als auch mündlich. Und dazu muss man sich Zeit lassen.

Und was ist mit E-Mails?

Hier gehen die Meinungen schon wieder auseinander. Sollen E-Mails eine nette Einleitung, einen Hauptteil und ein freundliches Ende haben? Oder kann man so richtig schön fränkisch mit der Tür ins Haus fallen und kurz und knapp gleich auf den Punkt kommen? Beides wird befürwortet. Das finde ich interessant. Es gibt hier keinen Konsens. Vermutlich liegt das daran, wieviel gefühlte Zeit jeder Einzelne zur Verfügung hat, sich mit E-Mail & Co zu beschäftigen.

Bei 100 Mails am Tag kann ich keine episch langen Mails lesen, sagt ein Teilnehmer. Da hab ich’s gern kurz und knapp auf den Punkt. Und lange Mails erzeugen bei mir Druck, ebenso ausführlich antworten zu müssen. Da ich aber wenig Zeit habe, schiebe ich die Antwort vor mir her und laufe Gefahr, gar nicht zu antworten.

Doch einen Anhaltspunkt gibt es nun doch: eine Teilnehmerin unterscheidet „sachliche“ und „persönliche“ E-Mails. Während die sachlichen kurz und knackig sein können, sollten die persönlichen doch ein paar freundliche Worte a la Einleitung Hauptteil und Schluss enthalten, meint sie.

Foto Pixabay: Free-Photos

Und wie steht es mit den Gefühlen?

Die eigenen Gefühle sollte man in der schriftlichen Kommunikation deutlicher beschreiben, da sie im geschriebenen Wort nicht unbedingt richtig erfasst werden können. Jeder verbindet schließlich mit bestimmten Worten etwas anderes.

Naja, dafür gibt’s ja auch die Emoticons, sage ich. Sie ersetzen die fehlende Körpersprache ein Stück weit und machen es leichter, den anderen zu verstehen. Ich benutze sie gern und bedaure es, dass ich mein Newsletterprogramm sie nicht darstellen kann.

Eine Teilnehmerin beschreibt nun einen ganz anderen Aspekt. Sie sagt, es wäre wichtig, zu schauen, was für sie selbst stimmig ist. Dabei bildet sie sich eine Meinung. Diese ist wertfrei in Bezug auf andere. Anders wäre es, wenn sie ein Urteil fällt. Dieses Urteil schließe eine Bewertung des anderen und dessen Verhalten mit ein. Und dazu habe sie kein Recht. Eine feine aber klare Unterscheidung, wie fast alle bestätigen.

Zeichnung Hanne Demel

 

Unser Fazit des Abends: Man könnte Regeln aufstellen für die Online-Kommunikation und diese gemeinsam abstimmen. Und wer das Wort „Regeln“ nicht mag, findet „Absprachen“. Man könnte auch die E-Mail-Signaturen anpassen und verschiedene Abschlussfloskeln als Textbaustein anlegen. Kurz, lang, förmlich, herzlich… Und mit den Social Media muss jeder so umgehen, wie er mag. Anstand ist, dass ich andere so behandle, wie ich selbst behandelt werden möchte. Und dass meine Wahrheit nicht automatisch die Wahrheit der anderen ist.

Und wenn du weiter mitdiskutieren willst, kannst du das gern hier im Kommentar tun! 🙂

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Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Ethische Entscheidungen treffen – dazu braucht es die richtigen Tools

Foto Pixabay: Ramdlon

Hast du schon mal vor einer Entscheidung gestanden, die weitreichende Konsequenzen hatte für dich persönlich oder für dein Business? Und warst du dabei emotional belastet? Emotionen können klare Entscheidungen massiv torpedieren.

Emotionen vernebeln den Blick

Wenn du zornig bist, solltest du möglichst gar keine Entscheidung treffen. Du würdest vermutlich das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn du ängstlich bist, zögerst du zu lange.
Du bist dir nicht sicher, welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen. Du weißt auch nicht, wer dich unterstützen könnte und wie. Und wenn du vor Freude juchzt, ist das auch keine besonders stabile Entscheidungsgrundlage. Dein Überschwang könnte dich verleiten, zu weit zu gehen. Und so weiter.

Die Refraktärphase der Gefühlswallung

Wenn ein starkes Gefühl auftaucht, entsteht eine kurze Phase, in der die Wahrnehmung eingeschränkt ist. Man nennt sie „Refraktärphase“ und sie ist in etwa wie ein Tunnelblick. Das aktuelle Gefühl überdeckt fast alles andere. In diesem Moment solltest du am besten gar nichts entscheiden. Du kannst keine „vernünftige“ Beurteilung der Situation vornehmen.

Die Refraktärphase dauert mindestens ein paar Sekunden bis einige Minuten. In sehr emotionalen Situationen kann sie sogar einige Stunden anhalten. Erst dann öffnet sich der Blick wieder.

Also lass dir Zeit, wenn du Entscheidungen treffen musst!

Gedankenkreisel versus Vorwärtsenergie

Für- und Wider-Stimmen in deinem Kopf machen es unmöglich, einen klaren Standpunkt zu finden. Das kann sich quälend lange hinziehen, je nachdem, was für ein Typ du bist.

Dann ist es wichtig, Entscheidungen in größeren Zusammenhängen mit ihren Auswirkungen zu betrachten. Es geht dann nicht darum, dass du dir mehr Zeit nimmst, sondern dass du deine Optionen SPÜRST. Gedankenkreisel schneiden dich nämlich von deinem Körpergefühl ab.

Probier mal Folgendes aus:

Wenn du gerade vor einer Entscheidung stehst und sehr emotional bist, dann erlaube dir bewusst, erst morgen oder übermorgen zu entscheiden. Nimm dir mehr Zeit, als du’s üblicherweise tun würdest. Beobachte dabei, wie sich deine Gefühle im Lauf der Tage verändern. Ich bin z. B. jemand, die sehr schnell entscheidet und handelt. Das habe ich oft schon recht teuer bezahlt.

Wenn du eher jemand bist, der in Gedankenkreiseln gefangen ist, dann versetze dich doch mal gedanklich in die verschiedenen Optionen. Stell sie dir vor, du hättest jeweils schon so entschieden. Und nun spüre ganz genau und in aller Ruhe, wie sich das anfühlt. Beziehe deinen ganzen Körper ein. Manchmal kann man so schon spüren, was das Richtige ist.

Manchmal braucht es auch einen Blick von außen

Deine Reaktionen und auch deine Entscheidungen entstehen aus tiefen Gewohnheiten. Ganz so leicht kommst du da nicht raus. Wenn du ein Werkzeug hast, das dir einen Blick von außen ermöglicht, kann dir das Klarheit bringen. Eine systemische Aufstellung z. B. ist so ein Werkzeug.

In einer Aufstellung kannst du deine verschiedenen Optionen ausbreiten und unmittelbar spüren, wie sie sich anfühlen. Du kannst auch verschiedene Aspekte einbeziehen und dir darüber Klarheit verschaffen, wie sie sich auswirken.

Hanne Demel

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Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Wenn alle anderen schlechte Laune haben oder: Warum emotionales Management wichtig ist

Foto: Armin Kümmert

Kürzlich lief mir jemand über den Weg, der machte ein so griesgrämiges Gesicht, dass ich richtig schlechte Laune bekam. Ich verlor ruckzuck die Lust am Arbeiten.

Als ich dann aber so drüber nachdachte, erinnerte ich mich, dass ich auch schon vor dieser Begegnung etwas schlechte Laune gehabt hatte. Und dann wurde mir klar, dass ich an diesem Tag bereits mehreren äußerst griesgrämigen Leuten begegnet war.

Das ist mir an diesem Tag wieder eingefallen, weil ich’s schon mal gelesen hatte, und zwar in dem Buch von Paul Ekman: „Gefühle lesen“. Ich fragte mich also, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Meine schlechte Laune oder die griesgrämigen Gesichter um mich herum.

Der Negativ-Effekt

Kennst du diesen Effekt? Deine eigenen Emotionen sind entscheidend für die Bewertung deiner Umwelt. Sie dienen quasi als Teppich, auf dem du deine Wahrnehmung ausbreitest. Und nicht nur das. Dieser Teppich ist die Basis für deine Urteile über andere. Du fällst sie in der Regel so, dass sie deine eigenen Emotionen bestätigen und bestärken. Du gibst dir quasi selber den Anlass und die Rechtfertigung zugleich für deine Gefühlslage.

In der Regel kommst du an Gefühle, die von deiner momentanen Gefühlslage sehr abweichen, nicht mehr heran. Wenn du also schlechte Laune hast, wirst du kaum jemanden entdecken, der so richtig gut gelaunt ist. Und wenn, dann findest du ihn vermutlich albern, überzogen und unecht…

Unterstellungen sind inbegriffen

Dabei bewertest du auch „neutrale“ Inhalte nach deiner Gefühlslage. Zum Beispiel sagt jemand zu dir: „Das muss fertig werden!“ Wenn du dich gestresst fühlst, hörst du darin einen Vorwurf an dich. Wenn du dich unsicher fühlst, hörst du eine Abwertung. Wenn du dich fröhlich fühlst, hörst du eine Aufforderung. Und so weiter.

Das bedeutet, du kannst dir nie hundertprozentig sicher sein, wie jemand etwas meint. Und deshalb brauchst du auch nie darauf bestehen, Recht zu haben. Denn:

  • Deine Gefühle sind deine Bewertungen.
  • Deine Bewertungen sind deine Wahrnehmung und dein Denken.
  • Deine Wahrnehmung und dein Denken bestimmen dein Verhalten.
  • Dein Verhalten ist dein „Karma“ und letztendlich dein Schicksal.

Das eigene „Karma“ verändern

In der buddhistischen Ethik sprich man davon „Karma aufzulösen“. Was heißt das eigentlich? Es bedeutet, deine Gewohnheiten im Denken und Fühlen zu verändern. Und zwar mit folgenden Schritten:

  • Räume immer ein, dass du auch falsch liegen könntest in deiner Interpretation.
  • Prüfe deine eigene Gefühlslage immer wieder, bis es zur Gewohnheit geworden ist.
  • Probiere aus, bewusst umzuinterpretieren und erweitere deinen Rahmen somit Stück für Stück.
  • Suche dir aktiv täglich etwas, das dich in gute Stimmung versetzt.
  • Sprich freundlich mit dir selbst.

Bewusstsein ist die Basis für Veränderungen in deinem Leben. Du hast es immer selbst in der Hand, wohin du dich entwickelst. Wie sich dein Unternehmen entwickelt. Wie deine Mitarbeiter „sich fühlen“. Und vieles mehr.

Bleib dran und freu dich deines Lebens. Das wünsch ich dir von Herzen.

Deine Hanne Demel

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Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht

Warum Mitgefühl hilfreich ist, Mitleid aber nicht

Foto iStock.com: m-gucci

Vor kurzem habe ich eine Bekannte getroffen, die mir von der Misere einer Nachbarin erzählte. Ihr Mitleid mit der Nachbarin war grenzenlos. Ebenso ihr Gefühl von Hilflosigkeit. Sie lamentierte und redete sich immer mehr in Rage. Am Ende war sie fix und fertig und total gestresst. Und ich auch…

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl?

Wer „mit-leidet“, hat das Gefühl, nichts entgegensetzen zu können. Er erlebt sich hilflos. Und Hilflosigkeit schwächt das gesamte System.

Außerdem entsteht durch Mitleid leicht ein Gefälle. Spür mal diesen Worten nach: „Du tust mir leid, du Ärmste. Dass es bei dir aber auch immer wieder so dick kommt! Wenn ich nur wüsste, wie ich dir helfen kann…“

Da schwingt auch eine Spur von Arroganz mit. Ich schaue auf den anderen herab, wenn ich so spreche. Außerdem habe ich keine Idee, wie ich wirklich helfen könnte. Mir fehlt der innere Abstand. Und meine Worte tun der Bemitleidenswerten nicht besonders gut, denn sie verstärken das Leiden anstatt es zu lindern. Ich bestätige ihr nur, wie bedauernswert sie ist.

Mitleid fördert Burnout

Wenn ich keinen inneren Abstand habe, setze ich mich selbst zu stark in Bezug zum Leiden.

Dies ist übrigens eine Ursache für Ausbrennen. Psychische Gefährdungsbeurteilungen in Krankenhäusern haben gezeigt, dass Krankenschwestern, die sehr viel Mitleid empfinden,  schneller in einen Burnout rutschen als Krankenschwestern, die Mitgefühl entwickeln. Deshalb ist Mitgefühl so enorm wichtig.

Mitgefühl und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit

Dinge aus eigener Kraft verändern zu können, schafft Selbstvertrauen und Vertrauen ins Leben. Diese Erfahrung der „Selbstwirksamkeit“ brauchst du, um mitfühlen zu können.

Das Vertrauen in dich, dass du hilfreich sein kannst, ist entscheidend. Oft muss es auch gar keine große Handlung sein. Manchmal genügt es, einfach da zu sein und nichts zu sagen. Etwas „aushalten“ zu können und da zu bleiben ist schon Trost spendend.

Du brauchst eigentlich nur genau beobachten, welche Wirkungen deine Handlungen haben. Dann weißt du auch, was gerade am hilfreichsten ist.

Mitgefühl entsteht durch Aufmerksamkeit

Wenn ich mitfühle, geht es nicht um mich. Ich sehe und spüre das Leiden, ohne es in Bezug zu mir selbst zu setzen. Ich halte innerlich Distanz, ohne meine Aufmerksamkeit für das Leiden zu verlieren. Innere Distanz erzeugt Handlungsfähigkeit.

Das erst lässt mich die richtigen Worte finden, die richtigen Dinge tun, die das Leiden nicht verstärken sondern vermindern. In mir bleibt es ruhig, außer Mitgefühl ist kein anderes Gefühl in mir.

Deshalb wird Mitgefühl in allen religiösen und spirituellen Traditionen angestrebt. Es schützt dich und hilft dir, dich nicht als Opfer zu fühlen.

Beobachte dich mal selbst in der nächsten Zeit. Wann fühlst du dich hilflos und wann kraftvoll im Angesicht von Leiden…

 

Mitgefühl ist der wesentliche Faktor für emotionales Management. Wenn du mehr darüber lesen willst, dann hier entlang bitte…

Hanne Demel

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Ethik in der Evolution – die notwendige Entwicklung einer ethischen Haltung

Ethik in der Evolution – die notwendige Entwicklung einer ethischen Haltung

Foto Pixabay free: 44833

Gastbeitrag von Dr. Jürgen Kunz

Zusammenfassung: Eine Firmenphilosophie, die eine ethisch-moralische Orientierung erkennen lässt, ist – aus der Perspektive der Evolutionsbiologie – eine Art Software. Sie erlaubt es allen Mitarbeitern, sich als wertvollen Bestandteil des Unternehmens zu präsentieren. Sie bringt ein Element in den Businessalltag, der eng mit Leistungsfähigkeit und kooperativem Verhalten verbunden ist: Vertrauen.

 

1. Die Evolutionsgeschichte in der Ethik: welche Herausforderungen bedürfen einer ethischen Lösung?

Als Ethik verstehen ich hier eine Haltung, die Menschen mit einer Orientierung bzgl. des höchsten Gutes der Gemeinschaft und der Frage, nach dem richtigen Verhalten versorgt.

Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass auch das Bedürfnis nach und die Fähigkeit zu ethischem Verhalten – wie viele andere mentalen Errungenschaften des Menschen – entstand, um soziale Herausforderungen zu meistern.

Soziale Interaktion

Um soziale Interaktionen produktiv zu gestalten, mussten unsere Vorfahren jede dieser Interaktionen und die dazugehörigen Personen abspeichern. Dies ist bis zu einer Gruppengröße von 150 Personen möglich. Ab dieser Grenze ist es aber schwierig, das zu gewährleisten ohne dass Einzelne Gefahr laufen übervorteilt zu werden. So konnten Primatologen zeigen, dass die Größe des Gehirns mit der Gruppengröße bei Primatenarten ansteigt. Um mehr Vertrauen untereinander herzustellen, entstanden neue Verhaltensweisen, wie beispielsweise der Konformismus. Hierbei gleichen Menschen ihr Verhaltens untereinander an. Ein anderes Beispiel ist der reziproke Altruismus, also Handlungen die anderen oder der Gruppe zugute kommen, für die es dann zeitversetzt und in anderen Kontexten eine Rückzahlung gibt. Man vertraut denen, die Teil der eigenen ethnischen Gemeinschaft sind und denen, die einen guten Ruf haben.

Vertrauen in Gruppen

Wie schwierig Vertrauen in größeren Gruppen herzustellen ist, zeigt die Entwicklung von Unternehmen nach dem Ende des Mittelalters. Ökonomie war damals Aufgabe von Familien. Unternehmen hingegen – in ihrer Eigenschaft als Companies of Strangers -, fehlte das nötige Vertrauen zwischen den Menschen (Paul Seabright. The Company of Strangers). Firmen hatten, wenn sie eine gewisse Größe erreicht hatten zwar Vorteile; mussten aber Kooperation erzwingen oder erkaufen. So waren die ersten größeren Unternehmen – wie die Hudson Bay Company – eher militärisch organisiert. In diese Unternehmen gab es vor allem vereinfachte und standardisierte Tätigkeiten, die Verpflichtung, das Verhalten der Mitarbeiter zu kontrollieren – auch im privaten Bereich – sowie ein vereinheitlichtes Äußeres und ein vereinheitlichtes Verhalten.

2. Ethik als Lösung unserer Vorfahren

Aus der Evolutionsbiologie läßt sich kein Gut und Böse ableiten. Die Naturgeschichte der Primaten zeigt, dass unsere haarigen Verwandten durchaus moralische Empörung kennen, wenn beispielsweise eine Gabe nicht erwidert wird. Die Tötung von Artgenossen aber, ob nun gruppenintern oder extern, nehmen sie im Eigeninteresse hin.

Auch beim Menschen läßt sich zeigen, dass ethisch-moralische Werte dann über Bord geworfen werden, wenn die eigene Existenz dauerhaft bedroht ist. Ein berühmtes Beispiel sind die Ik aus dem Kongo, die in einer solches Situation alle gesellschaftlichen Regeln über Bord warfen und selbst ihre Kinder vernachlässigten. Auch aus Europa gibt es solche Berichte, z.B. zu Zeiten der Pest. Die natürliche Auswahl belohnt Überleben und Reproduktion, nicht aber ethisches Verhalten per se. Damit ethisch-moralische Systeme überhaupt entstehen konnten, müssen Sie unseren Vorfahren einen großen Vorteil gebracht haben.

Ethisch-moralische Orientierung

An dieser Stelle gibt es somit den ersten Hinweis, warum eine ethisch-moralische Orientierung so wertvoll ist. Sie bedient das Bedürfnis nach Vertrauen und Gemeinschaft (und Komplexitätsverringerung), was so wertvoll ist, dass man diese erst dann aufgibt, wenn das eigene Leben bedroht ist.

Historisch ist in komplexeren Gesellschaften Ethik zumeist in religiöse Philosophien eingebettet. Diese werden von einer Reihe weiterer Elemente begleitet, wie teure Rituale, konformistisches Verhalten und Emotionen. Diese Aspekte werden in der weiteren Betrachtung außen vor gelassen. Am Beispiel der Diskussion um religiöse Philosophien soll im folgenden gezeigt werden, was genau Ethik so wertvoll machen kann.

3. Warum helfen ethisch-moralische Systeme beim Zusammenleben und Arbeiten?

Kulturwissenschaftler haben lange Kultur mit Verhalten gleichgesetzt. Auch in der Evolutionsbiologie entstand die Vorstellung (Reynolds & Tanner), dass religiöse Ethik Menschen dazu anleitet, sich angepasst und damit erfolgreich zu verhalten. Damit wäre auch Ethik eine jeder-kann-davon-profitieren-Anweisung. Diese Sichtweise hat leider drei Schönheitsfehler.

  1. Menschen machen einfach nicht das was Sie vorgeben zu tun bzw. das was ihre Kultur ihnen vorgibt (die ethnologische Literatur ist voller Beispiele davon)
  2. Viele Menschen kennen die Inhalte ihrer Religion oder anderen philosophischen Ausrichtungen nicht mal vollständig.
  3. Zudem sagt die Evolutionsbiologie voraus (Dawkins & Krebs), dass Signale primär entstanden, um andere Personen zu beeinflussen. Signalempfänger entwickelten ihre Sinne in Reaktion darauf so, dass sie möglichst nicht zu ihrem Nachteil manipuliert werden. Dies führte zu einer Signalevolution für ehrliche Das sind Signale, die es dem Signalempfänger möglich machen, verläßliche Informationen über den Signalsender zu erhalten. Das ist der Kern der evolutionsbiologischen Kommunikationstheorie. Signale dienen zuerst dem Signalsender und sollten schwer-zu-fälschen sein, um auch dem Signalempfänger sinnvolle Informationen zugänglich zu machen. Diese Signalevolution kann man auch bei vielen Tierarten finden. Sie sind schwer-zu-fälschen oder ehrlich, da sie für den Signalsender mit Kosten bzw. Nachteilen verbunden sind (Evolutionsbiologen nennen das auch Handicap). Beispiele sind die ziemlich unpraktischen Pfauenfedern, oder das riskante Verhalten der Graudrosslinge, die sich der Gefahr aussetzen, von Greifvögeln erbeutet zu werden, um einen speziellen Rang im Vogelschwarm zu erringen.

Symbole mit Leben erfüllen

Aussagen über Götter, ein höchstes Prinzip oder Gut und damit verbundene moralische Werte erfüllen aber nicht das Kriterium eines schwer-zu-fälschenden Signals; sie sind nur Worte.

Es ist also überhaupt nicht zu erwarten, dass es eine Übereinstimmung von ideellen Kulturelementen wie ethischen Gebilden und dem Verhalten von Menschen gibt. Das wäre so als würde man erwarten, dass Gewerkschaften besonders arbeitnehmerfreundlich gegenüber ihren eigenen Mitarbeitern sind. Ähnliches gilt für Kirchen.

Der Homo Symbolicus, der vor mehr als 100.000 Jahren entstand, strickt also virtuelle Welten, mit deren Hilfe Signale an die eignen Gruppe, den eigenen Stamm, aber auch das eigene Unternehmen gesendet werden. Und das vor allem in Situationen in denen Menschen unterschiedliche Interessen und Ziele haben. Aber warum?

 

4. Warum brauchen wir dann eine Ethik, wenn Sie nicht zu Verhalten verpflichtet?

Folgerichtig kann niemand wissen, ob der Kollege oder der Nachbar tatsächlich an eine Ethik, oder im Fall religiöser Zusammenhänge (die historisch – in der Regel – Ethik transportieren) an Götter und die damit verbunden Werte glaubt. Man kann nicht in die Köpfe der Menschen hineinschauen, weshalb dies von Wissenschaftlern auch als unverifiable propositions oder supernatural claims bezeichnen. Vorstellungen von übernatürliche Wesen zum Beispiel sind nur dann etwas religiöses, wenn sie von mehreren Personen als solche akzeptiert werden. Ansonsten werden diese Vorstellungen eher als Spinnerei bezeichnet! Zudem müssen diese Personen Erwachsene sein, denn wer glaubt schon an die Wesen, deren Existenz man Kindern vorgaukelt?

Doch diese Akzeptanz ist leider auch kein hinreichendes Kriterium. Man kann ja immer noch nicht wissen, ob diese Leute das wirklich glauben, was sie vorgeben zu glauben.

Gemeinsame Aussagen geben Sicherheit

Gemeinsam eine Aussage zu verifizieren, die man nicht beweisen kann, bedeutet aber, eine kritische Haltung aufzugeben. Damit akzeptiert man den Einfluss anderer Personen, ohne sich auf seine eigene Wahrnehmung zu verlassen. Dadurch entstehen Beziehungen untereinander, die durch die gemeinsame Akzeptanz gegenseitigen Einflusses bestimmt wird.

Dies schafft Kooperation und Vertrauen unter Fremden. Religionen bzw. ethisch-moralische Philosophien bestehen aus Veranstaltungen bei denen über nicht zu beweisende oder sozial konstruierte Inhalte gesprochen wird, die die Gemeinschaft unterstützen.

Was hat das mit Storytelling zu tun

Das was ethisch-moralische Systeme ausmacht ist somit vor allem das Storytelling, also das gemeinsame sprechen über Werte und das ethisch-moralisch Richtige. Deshalb sind auch Ursprungsgeschichten (in Stammesgesellschaften aber auch in Unternehmen), aber durchaus auch Märchen und Mythen so weit verbreitet. Religiös muss das nicht sein. Dieser talk unterscheidet sich in der Art und Weise wie man spricht von der Alltagssprache, was ihm eine besondere Wertigkeit gibt.

 

5. Die Arbeitsweise des Limbischen Systemes: Zusammenfassung

Das Limbische System (die emotionale Schaltzentrale) des Menschen lebt in einer archaischen Welt. Es reagiert sehr sensibel auf vermeintliche Gefahren. In vielen Unternehmen arbeiten Menschen in andauernden Stresssituationen, was vom Limbischen System durchaus als existenzbedrohend interpretiert wird. Für diesen permanenten Stress gibt es viele Gründe. Einer ist, dass Menschen, die limbisch in einer Welt von Fremden arbeiten, einen ebenso archaischen Impuls zur Flucht, zum Kampf oder zum Erstarren (Totstellreflex) verspüren. Das führt zu einem Teufelskreis von Nichtbeachtung ethischer Standards, Misstrauen, noch mehr Stress etc. und damit verminderter Leistungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gemeinsame ethisch-moralische Orientierung Menschen nicht zwingend zu einem bestimmten Verhalten ermutigt. Sie ist auch nicht primär dazu da, Menschen den rechten Weg zu lehren, sondern diese durch ethische Grundprinzipien, in eine Vertrauenssituation zu bringen, wie sie ganz ähnlich in Familien vorherrscht.

 

Fremde zusammenbringen und Vertrauen schaffen

Ethische Grundprinzipien sind das Ergebnis einer Signalevolution (nicht der natürlichen Auswahl). Unternehmen sind mit dem gleichen Problem konfrontiert wie unsere Vorfahren vor 100.000 Jahren: wie schaffe ich Vertrauen unter Mitarbeitern einer Firma, die man auch als Company of Strangers bezeichnen kann.

Fehlt dieses Vertrauen, arbeiten Menschen unter dauerhaftem Stress, was weder der Gesundheit, noch den Arbeitsergebnissen gut tut.

Wichtig ist dabei vor allem die gemeinsame Akzeptanz des Ethiktalks oder des Storytellings, zum Beispiel über die Entstehungsgeschichte des Unternehmens, der Menschen verbindet. Es ist nicht zwingend der Glaube des Einzelnen an die damit verbundenen ethische Werte!

Storytelling ist deshalb von so großem Wert, da es den besonderen Wert in der Vergangenheit etablierter Werte nachvollziehbar macht. Und es ist wertvoll da Menschen aufgrund der Erkennbarkeit einer allgemeinen Akzeptanz der ethisch-moralischen Werte mit hoher Wahrscheinlichkeit danach handeln werden.

Gastbeitrag von Dr. Jürgen Kunz

www.leistung-laune-leidenschaft.de

 

Juergen Kunz Dr-Dr. Jürgen Kunz ist Spezialist für die Schnittstelle zwischen Verhaltens- und Evolutionsbiologie und der Führung von Mitarbeitern im Management. Er verbindet seine Erfahrungen und seine Expertise zum Thema Führung mit Analogien aus der Biologie und der Evolution.

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