Warum ist Vertrauen im Unternehmen so wichtig? Was bewirkt gegenseitiges Vertrauen in der Wertschöpfung?

Ethikstammtisch am 20. November 2019

Die Bude ist brechend voll. Stefan hat alle Tische rausgeräumt, damit mehr Leute im Besprechungsraum Platz haben. Es ist der letzte Stammtisch im Jahr und wir haben die Teilnehmerbeschränkung aufgehoben.

Was bedeutet Vertrauen im Unternehmen? Was bedeutet es für die Wertschöpfung und wie kann man eine Atmosphäre des Vertrauens herstellen? Das ist die Frage, die wir uns diesmal vorknöpfen und genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Zum Einstieg ein Negativbeispiel: Manipulative Unsitte von Geschäftsführern

Die ersten Teilnehmer erzählen aus ihrer früheren Zeit, als sie noch Angestellte waren. Eine Frau meinte, ihr früherer Chef hätte immer wieder gesagt, „Du musst dir mein Vertrauen nun erst wieder erarbeiten“, wenn jemand einen Fehler gemacht hatte. Damit hatte er seine Mitarbeiter immer wieder enorm unter Druck gesetzt. Nicken bei den Teilnehmern. Es melden sich sofort weitere Stimmen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Alle sind sich einig: solch ein Verhalten ist negativ und außerdem Bullshit.

Vertrauen ist immer ein aktives Unterfangen. Man kann es niemandem beweisen. Versuch mal, jemanden dazu zu bringen, dir zu vertrauen, wenn er das nicht will. Da kannst du Handstand und Kopfstand machen, es nützt nix. Entweder schenkt er dir sein Vertrauen freiwillig oder eben nicht. Wenn du’s erst beweisen sollst, kannst du dich bis zum Sankt Nimmerleinstag abstrampeln. Das ist gleich zum Einstieg in unser Thema ein trauriges Beispiel für Machtmissbrauch.

Und leider kein Einzelfall

Die Anwesenden, die in früheren Festanstellungen ähnliche Erfahrungen gemacht haben, bestätigten: die Folge von solchem Verhalten ist, dass sich die Mitarbeiter unzufrieden fühlen und sich emotional aus dem Unternehmen herausziehen. Nachdem es nichts nützt, sich abzustrampeln, ist Dienst nach Vorschrift und innerer Rückzug die logische Konsequenz. Doch das ist ein enormer Verlust in der Wertschöpfung.

Verluste im Unternehmen im Zahlen gemessen

Ein Teilnehmer meint, ein nicht besonders engagierter Mitarbeiter koste sein Unternehmen im Schnitt 2.000 Euro pro Jahr. Woher er diese Zahl hat, weiß ich nicht, aber auch ich kenne Studien, in denen errechnet wurde, dass die volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund von innerer Kündigung in die Milliardenhöhe reichen. Wenn Arbeitnehmer wegen Unzufriedenheit emotional weniger stark an ein Unternehmen gebunden sind, sind sie zum Beispiel häufiger krank. Auch Arbeitsunfälle treten mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit häufiger auf.

Wenn man also zum Beispiel mal diese 2.000 Euro Verlust, die pro Jahr durch mehr Krankentage und langsameres Arbeiten entstehen, auf ein Unternehmen mit nur 20 Mitarbeitern hochrechnet, liegt man schon bei 40.000 Euro. Uiuiui.

Gallup-Studie

Eine Gallup-Studie aus dem Jahr 2013 zeigte bereits, dass ein Unternehmen mit 2.000 Mitarbeitern nur 5 Prozent mehr Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung ans Unternehmen bräuchte, um die Kosten, die z. B. durch Fluktuation entstehen, um rund 420.000 Euro zu minimieren.  Dieser Gallup-Studie zufolge beträgt der Schaden durch innere Kündigung jährlich sogar zwischen 98,5 und 118,4 Milliarden Euro.

Außerdem stieg laut dieser Studie die Zahl derer, die sich aufgrund von Arbeitsstress belastet und ausgebrannt fühlen, bereits damals von 32 auf 36 Prozent. Die Tendenz ist seither steigend. Auch das Gefühl ausgebrannt zu sein, entsteht vor allem bei den Mitarbeitern, die sich emotional nicht an das Unternehmen gebunden fühlen.

Das ist kein Klacks mehr. Da lohnt es sich, auch nur einen Bruchteil dieses Geldes dafür zu investieren, emotionalen Viren auf den Grund zu gehen und durch emotionales Management eine vertrauensvolle und emotional sichere Atmosphäre zu schaffen. Zum Beispiel mit Hilfe einer psychischen Gefährdungsbeurteilung, die den Ursachen von emotionalen Vieren und dem Mangel an Vertrauen gezielt auf den Grund geht und Abhilfe schafft.

Vertrauen als Aktiva

Stell dir vor, ein Vorgesetzter sagt „beweise mir, dass ich dir vertrauen kann“. Wie fühlst du dich dabei? Und nun stell dir vor, er sagt „ich vertraue dir, dass du dich engagierst und gute Arbeit machen willst“. Wie fühlst du dich jetzt? Vertrauen kann nur aktiv gegeben werden. Vertrauen ist ein Geschenk. Du kannst als Führungskraft deinen Mitarbeitern damit Wertschätzung zeigen. Und darin sind sich auch die Teilnehmer einig. Loyalität und Vertrauen ist immer etwas Gegenseitiges. Sie brauchen Klarheit und Zuverlässigkeit. Deshalb lässt sich – so das Credo der Teilnehmer sagen:

Führung braucht Zeit und somit auch Geld

Es ist notwendig, Zeit für emotionale Themen zu lassen, die im Unternehmensalltag geklärt werden sollten. Wenn dafür kein Raum ist, verziehen sich Konflikte in den Untergrund und schwelen vor sich hin. Und dann plötzlich schlagen die Flammen irgendwo hoch und alle wundern sich, wo die jetzt herkommen. Hinter kindischen Zickereien oder handfesten Auseinandersetzungen stecken oft ganz andere Themen, die nirgendwo angesprochen werden können. Das ist nicht selten.

Und dann diskutieren die Teilnehmer noch einen anderen Gesichtspunkt.

Lernfeld Vertrauenskultur

Kommunikation und Offenheit sind unabdingbar für eine Basis von Vertrauen. Und hier ist der Unternehmer/die Führungskraft in der Pflicht. Das ist gerade in Deutschland ein schwieriges Thema. Eine Teilnehmerin, die einige Angestellte hat, meint: „Bei uns muss man immer „konstruktiv“ davorsetzen, damit man Kritik überhaupt äußern darf. Die meisten Menschen fühlen sich viel zu schnell angegriffen. Dann verteidigen sie sich mit Worten wie „Ich bin nicht schuld“ oder auch „Ich war das nicht“. Das kommt oft wie ein Reflex heraus.“

Die Fähigkeit zu vertrauen entsteht schon sehr früh

Solche Reaktionen zeigen einen eklatanten Mangel an Vertrauen. Der muss jedoch nicht unbedingt nur am Unternehmen liegen. Vertrauen – vor allem Selbstvertrauen wird bereits in früher Kindheit gelegt. Oder eben auch nicht. Und hier versagt unser heutiges Schulsystem auf ganzer Linie, meint eine Teilnehmerin. Das Schulsystem mit all seinen Bewertungen und Benotungen löst schon sehr früh Unsicherheit aus. Die Kinder beginnen sich an der Bewertung und Benotung von außen zu messen und zu orientieren. Dadurch verlieren sie den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen, zum eigenen intuitiven Wissen und zu ihrer Kreativität. Negative Beurteilungen von außen lassen keinen Raum zum Ausprobieren. Ein Kind kann dabei die eigenen Fähigkeiten nicht entdecken, geschweige denn einsetzen. Dadurch verliert es sich selbst ein Stück weit. Dabei entstehen Unsicherheit und das unangenehme Gefühl, abhängig zu sein. Um lösungsorientiert an Probleme herangehen zu können, braucht es aber Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Umso wichtiger ist es, im Unternehmen eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der alte schmerzvolle Erfahrungen nicht täglich neu angetriggert werden.

Umgang mit Kritik

Gerade in unserem Kulturkreis gilt aber auch immer noch „Nicht geschimpft ist Lob genug“. Das bedeutet, dass in der Arbeitswelt gute Ergebnisse meist mit Schweigen, Fehler aber mit negativen Konsequenzen bedacht werden. Schweigen erzeugt allerdings nicht unbedingt eine entspannte Arbeitsatmosphäre, da es keine Resonanz erzeugt. Darunter leidet die sogenannte Fehlerkultur, also die Art und Weise, wie Mitarbeiter mit Fehlern umgehen.

Auch fehlende Resonanz auf gute Arbeit erzeugt Unsicherheit. Dann werden Fehler nach Möglichkeit erst recht vertuscht. Oder die Verantwortung dafür wird an andere abgegeben. Das ist eine Erfahrung, die sehr viele der Teilnehmer am Ethikstammtisch für emotionales Management gemacht haben. Nur wenige schaffen es, zu ihren Fehlern zu stehen.

Doch gerade deshalb braucht es aktives Vertrauen von Seiten des Unternehmers/der Führungskraft. Denn wenn die Mitarbeiter nicht zu ihren Fehlern stehen können, weil das Vertrauen in die Unternehmensführung fehlt, dann verhindert das wichtige Lernprozesse.

Fazit zum Thema Vertrauen im Unternehmen:

  • Lass die Leute erst mal machen! Schau dir an, wie sie zum Ergebnis kommen und ob du’s brauchen kannst.
  • Schenke Vertrauensvorschuss! Damit schenkst du auch Wertschätzung.
  • Gib Feedback“ Gib vor allem positive Rückmeldung zu den Arbeitsergebnissen.
  • Halte Versprechen immer ein!
  • Steh zu deinem Wort!
  • Mach deine Werte transparent!
  • Sorge für eine vertrauensvolle Basis!
  • Behandle alle gleich im Sinne von gleichwertig!
  • Beauftrage jemanden, der die Kommunikation und die emotionale Bindung deiner Mitarbeiter unter die Lupe nimmt und gegebenenfalls verbessert! Quasi eine Art Vertrauensbeauftragte, die dir ein Qualitätssiegel für ein emotional gut aufgestelltes Unternehmen geben kann.

Gute Idee. Da kann ich dir helfen 😉 Melde dich und wir machen gemeinsam aus deinem Unternehmen einen Ort, an dem wertvolle Lebenszeit und Arbeitszeit keine zwei Paar Schuhe sind.

Ruf mich an: 0931 – 2 90 71

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