Zeichnung: Hanne Demel

Wut wegdrücken oder ausleben?

Es ist mal wieder so einen Tag. Nix läuft wie es soll. Ein pampiger Anruf von einem Amt bringt mich endgültig auf die Palme. Am liebsten würde ich jemanden ungespitzt in den Boden hauen. Und die Gelegenheit bietet sich prompt. Ein Mitarbeiter kommt mit einer Frage um die Ecke, die ich ihm schon mehrmals beantwortet hatte. Uuuuuhhh.

Die Suche nach dem Schuldigen…

Es liegt nahe, jemandem die Schuld für all meine Wut zu geben. Mir fällt auch prompt jemand ein. Der kommt mir gerade Recht.
Dabei ist der nicht mal in meiner Nähe. Aber in meinem Kopf, und jetzt rege ich mich tierisch über ihn auf.

Aber das hilft mir auch nicht. Anstatt dass ich mich erleichtert fühle, werde ich immer wütender. Hätte ich mal lieber dem Wetter die Schuld gegeben…

Wie also kann ich meine Wut loswerden ohne sie jemandem über den Kopf zu hauen…

… und ohne sie wegzudrücken. Man hört ja immer wieder, das wäre ungesund. Man würde Magengeschwüre und so was kriegen, wenn man’s runterschluckt. Das will ich nicht. Aber ich komm nicht mehr raus aus meiner Wut.

Es heißt ja immer, man soll den mittleren Weg gehen. Der wird in allen buddhistischen Lehren empfohlen. Aber wie geht der? Soll ich jetzt nur noch ein bisschen sauer sein? Mich nur noch ein bisschen ärgern???

Was also tun…

…wenn du negative Gefühle nicht einfach wieder loswirst? Wenn du keinen anderen Blickwinkel findest, der dir mehr Ruhe bringt? Wenn’s einfach weiter bohrt und kocht?

 

Die vier interessanten Schritte:

1. Atme langsamer!

Ja, genau. Wut ist Energie. Energie braucht Sauerstoff. Wenn du langsamer atmest, sagst du deinem Körper, es ist alles im grünen Bereich, er muss keine Energie mehr bereitstellen. Und während er runterfährt, verflüchtigt sich deine Wut. Du kannst sie also einfach wegatmen. Möglichst ein bisschen länger aus als einatmen. Probier’s mal aus.

2. Habe Mitgefühl für dich selbst!

„Mitgefühl für mich selber – das kann ich nicht!“ höre ich häufig. Aber es lohnt sich, wenn du da ran gehst. Denn je öfter du dich selbst mit Mitgefühl anschaust, umso stabiler wirst du. Und umso entspannter. Umso sicherer. Umso ruhiger. Das lohnt sich also enorm.

Es hat einen Grund, wenn du wütend bist. Oft hat das was mit Unzufriedenheit und einem enormen inneren Antreiber zu tun. Du musst Schwung holen, um deinen eigenen Ansprüchen hinterher zu kommen. Da kannst du keine Energie verschwenden, indem du mitfühlend mit dir bist. Aber genau das wäre der richtige Weg.  Erst wenn du dich selbst empathisch anschaust und Mitgefühl mit dir hast, kann dein Selbstschutz wieder aufweichen. Du versuchst dich vor dem Versagen zu schützen. Und die Angst vor dem Versagen hat oft viel tiefere und logischere Gründe, als dir bewusst ist.

Empathie und Mitgefühl kann man trainieren. Sie sind wie Muskeln – je öfter du sie aktivierst, umso stärker werden sie.

3. Habe Mitgefühl für die anderen Beteiligten

Ich kenne Leute, die von sich behaupten, dass sie kaum Empathie und Mitgefühl für andere empfinden können. Aber wenn man sie genauer beobachtet, haben sie Unmengen davon. Sie spüren’s bloß nicht. Aus Selbstschutz, weil sie sonst nämlich ihr letztes Hemd hergeben würden. Sie würden sich sogar komplett aufopfern. Also dann lieber wütend sein und sich abgrenzen können, oder?

Wenn du deine Wut nicht wieder loslassen kannst, hast du gerade deinen Selbstschutz aktiviert. Der macht dich dicht und verhärtet deine Gefühle. Erlaube dir, Grenzen zu ziehen und dich um dich zu kümmern. Immer wieder. Bis du es dir glaubst.

4. Versetz dich für einen Moment in die Zukunft

Stell dir vor, das Ereignis ist schon ein paar Wochen her. Macht es dich immer noch wütend? Nein?

Okee. Warum dann heute?

 

Wenn du trotzdem noch nicht so einfach runterkommst und die Wut hartnäckig in dir rumort, melde dich. Ich kann dir da raushelfen.

Ruf an: 0931 – 2 90 71

Hanne Demel

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